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Zeitumstellung: Wenn der Stundenklau auf den Wecker geht - Das sagen Experten dazu

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Von: Nina Bautz, Julian Limmer

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Die „Winterzeit“ liegt eine Stunde hinter der „Sommerzeit“ zurück, damit man etwas mehr vom hellen Teil des Tages hat.
Die „Winterzeit“ liegt eine Stunde hinter der „Sommerzeit“ zurück, damit man etwas mehr vom hellen Teil des Tages hat. Viele Menschen fordern dennoch die Abschaffung der Zeitumstellung. © Fotografie73 via www.imago-images.de

Ab Sonntag gilt wieder die Sommerzeit. Die Umstellung erscheint vielen Menschen sinnlos. Experten erklären, warum es den Stunden-Klau noch gibt.

München - Das wird wieder hart: In der Nacht zum Sonntag (27. März 2022) werden die Uhren auf Sommerzeit eine Stunde vorgestellt. Laut Umfragen meinen rund drei Viertel der Deutschen, die Zeitumstellung gehöre abgeschafft. Die Diskussion ist alt. Aber warum gibt es sie eigentlich immer noch?

Umstellung auf Sommerzeit: Darum wird es immer noch gemacht

„Auch ich bin für eine Abschaffung“, sagt der Schlafforscher Jürgen Zulley unserer Zeitung. Die Zeitumstellung sei teuer, mache keinen Sinn und sei schlecht für die Gesundheit. Zur Erinnerung: Die Sommerzeit wurde in Deutschland 1980 eingeführt – aus Gründen der Energieeinsparung. Dahinter steckte die Überlegung, dass weniger Strom verbraucht werde, wenn sich der Tag um eine Stunde verschiebt. Kritiker aber sagen: Energiespareffekte seien kaum nachweisbar. Der Professor für Biologische Psychologie, Jürgen Zulley, erklärt: „Stattdessen belegen Studien, dass in dieser Zeit mehr Unfälle passieren und depressive Verstimmungen zunehmen. Auch die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Der Körper muss die innere Uhr erst umstellen, ein Mini-Jetlag.

Umstellung auf Sommerzeit: Abschaffung bereits beschlossen - Doch es tut sich nichts

In den USA etwa hat der Senat in der vergangenen Woche dafür gestimmt, dass die Sommerzeit dauerhaft eingeführt wird. Dies könnte im November 2023 in Kraft treten. In Europa waren wir auch schon fast einmal so weit: Das Europäische Parlament hatte 2019 eine Abschaffung für dieses Jahr beschlossen. Doch seither tut sich nichts. Seitens der Europäischen Union heißt es, der Ball liege noch immer bei den Mitgliedstaaten. „Im Rat sind 27 Länder, die geografisch teils weit auseinander liegen. Jeder hat einen anderen Wunsch, welche Zeit nach einer Abschaffung gelten soll“, erklärt Udo Bux, Leiter des Münchner Büros des Europäischen Parlaments. Ein Flickenteppich mit mehreren Zeitzonen soll vermieden werden.

Der Vorschlag sei aber nach wie vor da. „Wenn er wieder auf die Tagesordnung käme und man sich einigen würde, könnte der Prozess weitergehen.“ Seine persönliche Einschätzung ist aber: „Im Moment gibt es so viele andere Probleme. Da wird das Thema wohl nicht so schnell wieder aufs Tableau kommen.“

Zeitumstellung: „Innere Uhr des Menschen“ ist der Winterzeit ähnlicher

Schlafforscher Zulley hat eine eindeutige Präferenz: „Gesundheitlich ist es sinnvoller, bei der Normal-, also Winterzeit zu bleiben. Die innere Uhr des Menschen ist der Winterzeit ähnlicher. Und im Winter zur Sommerzeit aufzustehen, hieße, dass es morgens sehr lange dunkel bliebe.“ Sein Tipp für die kommende Umstellung: Wer Probleme erwartet, sollte ab Samstag die Mahlzeiten und den Schlaf um 30 Minuten vorverlegen und am Sonntag dann noch mal um eine halbe Stunde.

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