Mitten auf einem Gehweg in Schwabing / Mutter des Brutalos schaute zu

Zeitungsausträgerin grün und blau geschlagen

Zeitungsausträgerin Susanne M. will ihr Gesicht nicht zeigen. Der Schläger hat sie bei der Attacke übel verletzt
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Zeitungsausträgerin Susanne M. will ihr Gesicht nicht zeigen. Der Schläger hat sie bei der Attacke übel verletzt

Seit dreißig Jahren trägt Susanne M. (50, Name geändert) in Schwabing Zeitungen aus.

In all den Jahren hat sie viele nette Menschen kennengelernt. „Mit einigen bin ich sogar befreundet.“ Es gibt aber Menschen, die nichts von Susanne M. wissen wollen. „Dann leg ich bei ihnen keine Zeitungen mehr ab“, sagt sie. Sie sitzt in ihrer Wohnung, das Auge ist blutunterlaufen, die Lippe aufgeplatzt, sie hat höllische Kopfschmerzen. Susanne M. zittert, als sie erzählt, wie sie von einem jungen Mann zusammengeschlagen wurde – auf ihrer Tour durch Schwabing, mitten auf der Hohenzollernstraße.

Es ist Donnerstag gegen 17 Uhr, als sich ihr ein Mann in den Weg stellt. „Sie haben schon wieder Zeitungen bei meiner Mutter abgelegt“, schreit er sie an. Susanne M. ist völlig überrascht, den Mann hat sie noch nie gesehen. „Was wollen Sie, von was reden Sie?“ Der Mann aber schreit weiter – plötzlich steht im Halbdunkeln eine ältere Frau vor ihr. „Sie hab ich erkannt. Eine Mieterin, die seit Jahren mit mir Streit sucht“, erzählt Susanne M.

Der Mann, es ist der Sohn der Mieterin, packt die Zeitungsausträgerin am Arm, hindert sie, weiterzugehen. „Da hab ich Angst gekriegt. Der war zwei Köpfe größer und doppelt so breit wie ich.“ Susanne M. gerät in Panik, sie schreit laut: „Lassen Sie mich los.“ Doch der Mann quetscht ihren Arm nur noch fester.

In ihrer Not zieht die 50-Jährige ein Pfefferspray aus der Manteltasche, sprüht es dem Mann ins Gesicht. Doch das Spray wirkt nicht, der große Mann schlägt zu. Er prügelt auf den Kopf von Susanne M., bis sie zusammensackt. Selbst als die Austrägerin am Boden liegt, schlägt er auf sie ein. „Es war die Hölle, ich dachte, das ist meine letzte Stunde.“ Die Mutter des Schlägers steht derweil seelenruhig daneben. Irgendwann sagt sie: „Jetzt ist aber genug.“ Mutter und Sohn gehen davon, lassen Susanne M. liegen. Sie alarmiert per Handy Polizei und Rettungsdienst. Sie kommt ins Krankenhaus. Die Ärzte stellen Blutergüsse im Gesicht, Zerrungen, Prellungen und eine Gehirnerschütterung fest. Susanne M. hat den Schläger angezeigt – wegen Körperverletzung. „Ich weiß nicht, weshalb der Mann so ausgetickt ist. Ich hab doch schon lange keine Zeitungen mehr bei seiner Mutter abgelegt.“

Jacob Mell

Quelle: tz

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