Der Zins-Schwindel der Münchner Bank

München - Sechs Prozent Zinsen für drei Jahre – mit diesem Angebot lockte die Münchner Bank 2010 Anleger an, wollte seinen Kunden aber nur zwei Prozent jährlich zahlen. Mit welcher Begründung, wie das Gericht darüber urteilte und weitere Zinsfallen der Banken:

Die Werbung der Münchner Bank wirkte sympathisch: Eine fesche Münchnerin im Dirndl trägt ein Lebkuchenherz vor der Brust. „6 %“ steht drauf. Und daneben wiederholte die Bank für den Wiesn-Sparbrief 2010 noch einmal weiß auf orange: „6,00 % garantiert auf drei Jahre.“ In Wahrheit bot Geldinstitut aber nur zwei Prozent Zinsen pro Jahr. Eine Irreführung der Kunden, befand das Landgericht München I und verbot am Montag diese Werbung. Diese sei eine „dreiste Lüge“, befand die 11. Handelskammer im Urteil.

Aufgefallen war das Internet-Inserat („Geld anlegen mit Herz und Verstand“) der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs mit Hauptsitz in Bad Homburg. Sechs Prozent Zinsen jährlich wären ein Superschnäppchen gewesen, dreimal mehr als der übliche Zinssatz. Aber da war noch eine versteckte Erklärung, dass zwei Prozent pro Jahr bezahlt werden. Schlaue Rechnung der Banker: zweimal drei gibt sechs.

Schon bei der Hauptverhandlung am 18. April machte die Vorsitzende Richterin klar, dass sie diese Werbung nicht durchgehen lasse: „Mit dieser Methode hätte man auch gleich zehn Prozent für fünf Jahre versprechen können.“ Die Banker wollten aber nicht klein beigeben und forderten ein Urteil.

Dieses wurde am Montag verkündet. Der Bank wurde diese Art von Werbung verboten. Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro! Die Bank trägt die Verfahrenskosten. In der Begründung heißt es: „Eine dreiste Lüge, für die kein vernünftiger Anlass besteht, kann auch dann nicht zugelassen werden, wenn ein Sternchenhinweis eine Korrektur enthält.“

Eberhard Unfried

Vorsicht vor diesen Zins-Fallen

Die Einstiegs-Falle: Die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass Banken oft mit hohen Einstiegszinsen locken – sie dann aber schnell senken. Die Kunden erfahren davon spät oder gar nicht. „Gerade beim Tagesgeldgeschäft, einem sehr aktiven Markt passiert das oft“, warnt Uwe Döhler von Finanztest. „Wenn angepriesen wird, dass der Satz etwa für ein halbes Jahr gelten soll, sollte man hellhörig sein – dann sinkt der Satz danach eventuell umso rapider.“

Der Kombi-Trick: Ein weiterer beliebter Trick: hohe Zinssätze, die bei genauem Hinsehen nur im Kombiprodukt erhältlich sind. „So wird zum Beispiel ein Zinssatz von fünf Prozent für ein halbes Jahr versprochen, aber nur, wenn die Hälfte der Anlage in einem Investmentfonds angelegt wird“, warnt Zins-Experte Döhler. „Diese Kombination ist unsinnig, da der Fonds sich nur langfristig lohnt, aber auch gefährlich, weil mit den fünf Prozent Zinsen ein hohes Aktienrisiko mitgekauft wird.“

Andere Variante: Einige Banken bieten den tollen Zinssatz nur an, wenn dort ein Girokonto eröffnet wird. Die Neukunden-Falle: „Gerade Banken, die neu auf den Markt drängen, wie etwa die Bank of Scotland mit mittlerweile rund 250 000 Kunden, werben mit hohen Zinssätzen“, erklärt Döhler. „Das können sie aber nur, solange sie einen kleineren Kundenstamm haben. Wird der größer, belasten die Kampfpreise zunehmend den Etat der Bank – die Zinsen könnten sinken.“

Der Obergrenzen-Trick: Oft ist im Kleingedruckten versteckt, dass der Zins nur für einen bestimmten, gedeckelten Anlagebetrag gilt.

Der Haftungstrick: Einlagensicherungsfonds gelten als besonders sicher – bei den oft massiv werbenden ausländischen Banken aber gibt’s Einschränkungen: „Entgegen der häufigen Meinung ist die Einlagensicherung bis 100 000 Euro zwar bei allen europäischen Banken seit Anfang 2011 gesichert“, so Döhler von Finanztest. „Vorsicht aber bei Banken aus dem ferneren Ausland!“ Deutsche Banken hätten zudem den Vorteil, dass die Sicherung meist unbegrenzt sei.

Der Rechen-Trick: „Viele Banken ködern mit dem Begriff Wertzuwachs pro Jahr“, warnt Sascha Straub, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern. „Dabei ist für den Kunden entscheidend, was an echter Rendite gezahlt wird.“ Einige Banken würden die Erträge einfach zusammenrechnen und irreführen, indem sie beispielsweise werben: „Festgeld für sechs Jahre mit 4,7 Prozent Wertzuwachs.“ Döhler: „Das ist nicht korrekt. Der durchschnittliche Zinssatz ist dann zum Beispiel nur 2,9 Prozent.“

Die Zinseszins-Falle: Legt der Kunde beispielsweise 10 000 Euro an und bekommt im ersten Jahr 1000 Euro Zinsen – dann rechnen viele Banken im nächsten Jahr nicht mit den 11 000 Euro weiter, sondern mit dem Grundkapital 10 000 Euro. „So kommen beispielsweise statt den versprochenen zwei Prozent effektiv nur 1,94 Prozent raus.“ Das sei sogar im Kleingedruckten oft schwer herauszulesen.

Was aber nun tun, um nicht in die Fallen zu tappen? Gleich die Finger davon lassen? Thomas Bieler von der Verbraucherzenteale NRW hält zumindest von Lockangeboten mit Einschränkungen wenig: „Wer langfristig überdurchschnittliche Zinsen einfahren will, muss nach dem Auslaufen des Sonderzinses stets eine neue Bank mit Kundenaktion suchen.“ Denn eins sei klar: „In der zweiten Runde wird der Neukunde zum Altkunden, und dann sind nur noch die Standardkonditionen angesagt.“ Biehler empfiehlt: „Sinnvoller ist es, eine Bank zu suchen, deren Standardkonditionen schon über Jahre hinweg in der Spitzengruppe vertreten sind.“ Immer wichtig: Viel nachfragen und das Kleingedruckte genau lesen, um nicht etwa auf ein Kombiangebot hereinzufallen! Die Zeitschrift Finanztest empfiehlt außerdem, mindestens einmal im Jahr nach dem aktuellen Zinssatz zu fragen.

nba.

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