Vor Gericht

Hellseherin zockt die Kasse ab!

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Samira P. (59) vor dem Landgericht.

München - Hellseherin Samira P. betrog ihre Krankenversicherung. Die fordert die nun ihr Geld zurückfordert. Der Streitwert im Zivilprozess: 206.495 Euro.

Ihren Kunden sagt sie nachts die Zukunft voraus. Ihr eigenes Schicksal hatte sie so wohl nicht vorhergesehen: Am Dienstag musste Kartenlegerin Samira P. (59, Name geändert) vors Landgericht. Sie hatte ihre Krankenversicherung betrogen, die nun ihr Geld zurückfordert. Der Streitwert im Zivilprozess: 206 495 Euro.

196 Abrechnungen hatte P. insgesamt eingereicht. Jede einzelne umfasste mehrere Rezepte, die die Hellseherin von Ärzten ausstellen ließ. „Ich leide an Asthma und habe Herzprobleme“, sagt sie. „Die Medikamente habe ich mir teilweise günstiger im Ausland besorgt und den Restbetrag erstatten lassen. Meine Apothekerin hatte mir das so erklärt“, sagt sie.

Das Amtsgericht Dachau sah das anders und verurteilte P. wegen Versicherungsbetrugs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, die Verteidiger Lutz Libbertz ausgehandelt hatte. Er vertrat sie am Dienstag auch am Landgericht und kritisierte: „Die Versicherung hätte das viel eher bemerken müssen, dann wäre der Schaden auch geringer ausgefallen.“ Ganz konkret: Samira P. hatte die Rezepte handschriftlich verändert – und danach erst eingereicht. Angeblich „aber unbeabsichtigt“, beteuert sie.

Trotzdem muss sie nun zahlen. Nach einem gerichtlichen Vergleich sind insgesamt 100.000 Euro fällig. 50.000 Euro bis Ende September – und wenn Samira P. danach über fünf Jahre hinweg monatlich 500 Euro abstottert, wird ihr der Rest (20.000 Euro) erlassen.

Im Prozess schnauft Samira P. hörbar. Von dem Geld soll sie Champagnerpartys für ihre Freundinnen geschmissen haben. Um es zurückzuzahlen, muss sie nun noch härter arbeiten. „Ich fange um 23 Uhr abends an. Ab da rufen mich viele Kunden bis spät in die Nacht an und bitten um Rat bei Problemen in der Partnerschaft.“ Monatlich verdient die Hellseherin damit 1100 Euro, die die Hotline ihr anteilig auszahlt.

Am Ende ging der Prozess für sie also noch gut aus. „Ich bin sehr froh“, sagt Samira P.

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