1. tz
  2. München
  3. Stadt

Dauerzoff mit den Nachbarn! Münchner Rechtsanwalt rät: „Diese Punkte sollten Sie nicht hinnehmen“

Erstellt:

Von: Andreas Thieme

Kommentare

Ein Mann und eine Frau streiten sich
Der Streit zwischen Sophie K. und ihrem Nachbarn endet vor Gericht (Symbolfoto). © Andriy Popov/imago

Sie können die besten Freunde sein oder der schlimmste Feind: Nicht nur in Häusern, sondern vor allem in Mietwohnungen ist das Verhältnis zu den eigenen Nachbarn sehr speziell. Was man tun kann, wenn man sich gestört oder belästigt fühlt, erklärt ein Münchner Rechtsexperte für Mietangelegenheiten.

München - Zwischen Nachbarn kommt es schon allein aufgrund der räumlichen Nähe nicht selten zu Streitigkeiten. „Besonders häufig wird über Emissionen, also Lärm und Gerüche gestritten“, sagt der Münchner Rechtsanwalt Alexander Walther. Als Klassiker gelten die Streitpunkte Grillen und Rauchen. „Die obergerichtliche Rechtsprechung in Bayern hält in fünf Mal Grillen im Jahr noch für einen ordnungsmäßigen Gebrauch“, sagt Walther. Darüber hinaus müsse der Nachbar dies nicht dulden.

Nach der Rechtsprechung des Amtsgerichts München könne sich der Nachbar sogar auch gegen Beeinträchtigungen durch Zigarettenrauch wehren. In einer Entscheidung aus dem Jahre 2014 hat das Amtsgericht München entschieden, dass es dem Nachbarn, vorliegend ein Mieter, untersagt ist während 23:00 bis 7 Uhr morgens, 11:00 bis 13:00 Uhr und 17:00 bis 19:00 Uhr zu rauchen. „Hierdurch soll es insbesondere möglich sein nachts bei geöffnetem Fenster zu schlafen und während den Mahlzeiten nicht durch Zigarettenrauch gestört zu werden“, erklärt Walther. Hierbei handele es sich um keine generelle Vorgabe, sondern um eine Einzelfallentscheidung. „In anderen Fällen können daher auch andere Lösungen gefunden werden.“

München: Streit zwischen Nachbarn entzündet sich oft an Rauch, Kinderlärm oder Musizieren

Komplett kann man dem Nachbarn das Rauchen natürlich nicht verbieten, da dies „einen ordnungsgemäßen Gebrauch der Wohnung darstellt“, sagt Walther. Häufig entbrennt des Weiteren auch Streit über Kinderlärm und lautes Musizieren. „Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes stellt Kinderlärm grundsätzlich keinen Lärm im rechtlichen Sinn dar, da dieser bei der kindlichen Entwicklung unvermeidbar ist“, erklärt der Rechtsanwalt. „Man kann diesen also nicht einfach unterbinden und entsprechend auch nicht so einfach im Rechtswege dagegen vorgehen.“

Mieterzoff: Rechtsanwalt kann eine Unterlassung gegen die Nachbarn erwirken

Auch Musizieren stelle ganz grundsätzlich eine ordnungsgemäße Wohnnutzung dar. Hierbei seien lediglich die gängigen Ruhezeiten zwischen 13 und 15 Uhr und 22 und sechs Uhr morgens zu beachten. „Selbstverständlich sollte man bei Problemen zunächst das Gespräch mit dem Nachbarn suchen“, rät Walther. Hilft dies jedoch nicht weiter, sollte ein Rechtsanwalt aufgesucht werden. Dieser kann unter bestimmten Umständen eine Unterlassungserklärung erwirken, um die Störungen durch einen Nachbarn zu beenden. „Ferner kann auch die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens hilfreich sein, um eine gütliche Lösung herbeizuführen.“

Auch interessant

Kommentare