Zu laut! Anwohner machen gegen Lustspielhaus mobil

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Lustspielhaus-Chef Till Hoffmann fühlt sich von den Nachbarn verfolgt.

Das Lustspielhaus an der Occamstraße trägt den Frohsinn im Namen. Doch der ist bei dem Streit, der in schöner Regelmäßigkeit um das Altschwabinger Kabarett entbrennt, ferner denn je.

Jetzt hängt der Haussegen wieder mal gewaltig schief. Denn einigen alteingesessenen Anwohnern raubt das Lustspielhaus mit seinem Gastronomie-Betrieb den letzten Nerv. Und sie deshalb rauben sie dessen Betreiber, Till Hoffmann, nun mit ihren Beschwerden den letzten Nerv. In der Stadtverwaltung füllt man Aktenordner und versucht die Nerven zu behalten.

„Wir halten es nicht mehr aus“, sagt eine Anwohnerin. Der Lärm, der vor allem am Wochenende in ihre Wohnung dringe, sei bisweilen unerträglich. Los gehe es teilweise um fünf Uhr. Dann werde Müll antransportiert – vor allem Gläser. Dann kämen die Bierfahrer und machten Radau. Aus der Küche blase bis weit nach Mitternacht der Küchendunst bis hin zur Nachbarin im ersten Stock.

In den Innenhof, dem alle Parteien anrainen, mündet eine Fluchttür. Die sei bei Veranstaltungen andauernd offen, sagt die Frau. Gleichzeitig aber versperrten Müllcontainer, Bierkästen und Obststeigen den Fluchtweg. „Wenn da eine Panik ausbricht, dann heißt es: Wir haben von nichts gewusst“, schimpft sie. Vom Brandschutz ganz zu schweigen. Man habe es jahrelang im Guten versucht, aber jetzt reiche es, jetzt werde geklagt.

Geklagt hätten die Anwohner schon einmal, entgegnet Till Hoffmann – vor 15 Jahren beim Vorpächter. „Dann wurde umgebaut, und man hat ein Schallschutzgutachten erstellt.“ Alles sei in Ordnung seitdem. Seit zwölf Jahren sei er Pächter, „und ständig werde ich schikaniert“. Das Haus habe früher die Kneipe „Schwabinger Gisela“ beherbergt, da habe es auch eine Gastronomie gegeben. Die Fluchttür müsse offenstehen, der Fluchtweg sei gewährleistet, das Küchenpersonal müsse ab und zu auch mal eine rauchen und Bierfahrer müssten ihre Arbeit verrichten dürfen. So laut könne es außerdem nicht sein – „wir sind ein Kabarett-Betrieb und kein Rockschuppen“. Im vergangenen halben Jahr habe man einen neuen Filter beim Küchendunst-Abzug einbauen lassen. Trotzdem, so Hoffmann, ließen die Anwohner nichts unversucht, ihn mit immer neuen Unterstellungen zu zermürben. „Die sitzen auf so einem hohen Ross“ heißt es hier. „Das nimmt schizophrene Ausmaße an“, heißt es da.

Im Kreisverwaltungsreferat ist man ratlos. Das Lustspielhaus begleitet mich, seit ich hier arbeite“, sagt Sachbearbeiter Peter Seidel. Die Bezirksinspektion habe „diverse Vermittlungsgespräche angeboten“. Die Belastung sei nach dem Umbau tatsächlich erheblich gemindert. Trotzdem, sagt wiederum Michael Hardi, Sprecher der Lokalbaukommission, bestehe „Handlungsbedarf“, wenn sich Anwohner so massiv beschwerten. Seidel meint aber auch: „Aus unserer Sicht kann man da schwerlich etwas verbessern.“ An der Occamstraße wird es wohl nicht so leicht zu einem versöhnlichen Ende kommen.

Quelle: tz

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