Zwei neue Verfahren

Die Zukunft der Spurensicherung

Eine Forschungsgruppe hat zwei neue Verfahren für die Sicherung von genetischen Spuren entwickelt: Beim physikalisch-chemischen Verfahren werden Spuren mit einer speziellen Art Sekundenkleber bedampft. Wie in diesem Beispiel können Bombenentschärfer Täter-Spuren speichern, bevor der Sprengsatz kontrolliert zerstört wird.

München - Hinterlassene Spuren am Tatort führen oft zum Täter. Bald könnte es für die Spurensicherung einfacher werden, brauchbare Finger- und Fußabdrücke zu sichern. Eine Forschungsgruppe hat zwei neue Verfahren entwickelt. Die Spuren müssen nicht mehr berührt werden – und es entsteht weniger Dreck.

Eine blaue Sporttasche hat im Dezember 2012 am Bonner Hauptbahnhof für Aufregung gesorgt: Ein junger Mann hatte sie dort abgestellt, in der Tasche war ein Sprengsatz. Dieser explodierte zwar nicht, der Zündmechanismus hatte gefehlt. Dennoch: „In solchen Situationen ist es schwierig, Spuren von möglichen Tätern zu sichern, ohne Menschen in Gefahr zu bringen“, sagt Produktentwickler Peter Leibl von der Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Für solche komplexen, gefährlichen Situationen, in denen eine schnelle Reaktion nötig ist, hat eine Forschungsgruppe unter der Federführung von Professor Leibl ein Verfahren weiterentwickelt: ein physikalisch-chemisches Verfahren, bei dem die Spuren mit einer speziellen Art Sekundenkleber bedampft werden. Ein Bombenentschärfer beispielsweise kann den Kleber mit einer Art Pistole direkt vor Ort auf den Sprengsatz sprühen. Der Entschärfer muss die Bombe dabei nicht berühren. Er kann möglicherweise vorhandene Täter-Spuren schnell sichtbar machen und gleichzeitig mit dem neu entwickelten Gerät speichern, bevor die Bombe zerstört wird.

Mit einem kleinen Roboter soll in einem weiteren Verfahren eine klassische Schwierigkeit der Spurensicherung vermieden werden: dass die Fahnder durch Berührung selbst Spuren verwischen. Bislang wird häufig das so genannte Rußverfahren angewandt. Dabei wird Ruß am Tatort aufgetragen und dann mit einem speziellen Klebeband abgezogen. Das Problem: Ein Fingerabdruck kann dabei leicht verwischt werden. Dadurch kann eine Spur des Täters zerstört werden. Bei dem jetzt neu entwickelten optischen Verfahren hingegen wird der Spurenträger nicht verändert. Ein kleiner Roboter oder auch nur ein Bildschirm kann Gegenstände scannen. Dabei entsteht eine Aufzeichnung, die man später wieder abspielen kann. Wertvolle Gegenstände wie zum Beispiel gefundene Diebesbeute wird dabei nicht beschädigt. Zudem bleibt kein Schmutz durch Ruß zurück.

Beim optischen Verfahren werden Spuren aufgezeichnet.

Die Hochschule für angewandte Wissenschaften hat die beiden Zukunfts-Verfahren der Spurensicherung in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt, dem Landeskriminalamt und der Firma Schleißheimer Gerätebau aus Gröbenzell entwickelt. Das gemeinsame Projekt, an dem seit April 2012 gearbeitet wurde, nennt sich „HUSSA“ – „Humanspurensuche und -analyse“. „Im Moment funktioniert es, ist aber noch kein Serienprodukt“, sagt Leibl. Jetzt entwickelt es die Firma Schleißheimer weiter. Wenn alles klappt, können die neuen Verfahren bald nicht nur im Labor, sondern an Tatorten angewandt werden: Das physikalisch-chemische soll Mitte nächsten Jahres, das optische kurze Zeit später in Serie gehen. Die Kosten für das Projekt liegen bei etwa 750 000 Euro.

„Wir haben großes Interesse an diesen Verfahren“, sagt Alexandra Schmid, Expertin für die Sicherung von Fingerabdrücken beim Landeskriminalamt. Kriminaldirektor Gerold Werner vom LKA und Schmid haben eng mit der Forschungsgruppe kooperiert. „Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend, wir hoffen, dass die Methoden so bald wie möglich in der täglichen Polizeiarbeit angewendet werden können“, sagt Schmid. „Wir haben mit diesen Methoden mehr Handlungsmöglichkeiten“, sagt Kriminaldirektor Werner. „Es ist sozusagen ein weiteres Werkzeug im Koffer der Spurensicherung und man kann am Tatort entscheiden, welches am besten passt.“

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