Pummelige Statussymbole

Immer mehr SUVs in der Stadt: Macht das Sinn?

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SUV sind im Stadtbild immer häufiger zu sehen.

München - Sie sind groß und mächtig, gelten als „Stadtpanzer“ – Sport Utility Vehicles, kurz SUVs, liegen im Trend, das beweisen die Zulassungszahlen. Doch passen die teuren Brummer wirklich in die Großstadt? Politiker und Umweltverbände haben ihre Zweifel.

Früher sah man Geländewagen an steilen Bergstraßen, in wildem Gelände oder vor einen Anhänger gespannt, heute stehen sie reihenweise in der Münchner Innenstadt, besetzen aufgrund ihrer Größe auch mal zwei Parkplätze. Auch wenn ein SUV in einer engen Großstadt wie München unpraktisch ist – das Geschäft mit den bulligen Sport Utility Vehicles (SUV) boomt. Optisch mögen sie noch an die Bergerklimmer vergangener Zeiten erinnern, jedoch werden bis zu „95 Prozent der SUVs wohl nie ins Gelände fahren“, sagt VW-Sprecher Hans-Gerd Bode. Doch wieso muss es überhaupt ein SUV in einer Großstadt sein? 

Woher der SUV-Trend in München kommt

In München kommen zwei wichtige Faktoren zusammen, die diesen Trend antreiben: „München hat ein gehobenes Einkommen und ist eine Stadt, in der Status wichtig ist“, sagt Maximilian Wagner vom Institut für Marketing der LMU. „Daher sind SUVs ganz klar ein Statussymbol. Prestige spielt eine wesentliche Rolle – nicht der eigentliche Nutzen.“ Auch die Ergebnisse des Pkw-Monitors des ADAC unterstützen diese These: Über die Hälfte der Befragten, die einen SUV oder Geländewagen erwerben möchten, würden diesen in einem neuwertigen oder fabrikneuen Zustand kaufen. Damit übertreffen die Werte sogar die Klasse der Großraumlimousinen und der Luxusklassen. Demnach sind vor allem gut situierte Leute an SUVs interessiert. Verwunderlich dabei ist aber, dass in München meist junge Menschen die nicht gerade günstigen SUVs fahren. „Der Autobesitz in jüngeren Altersklassen nimmt eigentlich ab in der Stadt. In München fahren jedoch unseren Beobachtungen nach vor allem junge Leute ab 25 Jahren einen SUV“, erklärt Andreas Schuster, Leiter der Abteilung Mobilität von Green City. Das könnte daran liegen, dass der SUV zwei Arten von Interessenten anlockt: „Bei SUVs gibt es einen Unterschied zwischen dem funktionellen Nutzen und dem, was das Auto vermittelt – wenn ich einen SUV fahre, dann bin ich was“, erklärt Wegner von der LMU.

Parkhäuser reagieren mit XL-Parkplätzen

So mächtig, wie manche SUVs ihre Fahrer erscheinen lassen, so breit stehen sie jedoch auch in den Parklücken der Innenstadt. Die meisten Parkplätze haben eine Breite von 2,30 Metern und reichen kaum mehr aus. Einige Parkhäuser erweitern deshalb bereits auf 2,50 Meter. Der Münchner Vorort Krailling hat sogar einige öffentliche Parkplätze für Limousinen und SUVs ausgebaut. In der Münchner Innenstadt sieht die Stadtverwaltung das Problem jedoch noch nicht so akut: „Es ist halt nach wie vor so, dass man sein Auto da abstellt, wo es reinpasst und man keinen behindert“, sagt Thorsten Vogel vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Vor allem in kleinen Gassen in der Innenstadt stehen SUVs jedoch oft über die Parklinien hinaus und verengen so die Straßen. Dieses Problem scheint in Zukunft auch nicht geringer zu werden – es wurden laut dem Statistischen Amt München im vergangenen Jahr mehr SUVs und Geländewagen als Kleinwagen zugelassen. Insgesamt über 20 000 Neuzulassungen gab es, elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Einzelne städtische Unternehmen wie die Bavaria-Parkgaragen reagieren bereits mit ausgewiesenen XXL-Parkplätzen, welche noch nicht zusätzlich kosten. Claus Schnell, Geschäftsführer der Bavaria-Parkgaragen, kennt aber auch andere Überlegungen: „Wenn Autos immer noch größer und breiter werden, könnte man die Fahrzeuge am Eingang prüfen und auf breitere Stellplätze verweisen, für die dann auch mehr verlangt wird.“

Forderungen um den Trend einzubremsen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Green City fordern, den SUV-Trend durch finanzielle Maßnahmen schnellstmöglich einzubremsen: „An SUV-Käufer kommt man schwer heran, ihnen in den Geldbeutel zu greifen, würde aber wohl am meisten schmerzen“, sagt Schuster von Green City. Dafür fordert die Umweltorganisation eine Emissionsmaut. Befürworter und Gegner von SUVs streiten seit Jahren über den Anteil der Autos an der Luftverpestung. Vor allem vielbefahrene Straßen wie die Landshuter Allee leiden unter Abgasen und weisen immer wieder kritische Luftwerte auf. „Problematisch ist, dass München kaum die Feinstaubwerte halten kann, die von der EU vorgegeben sind. Es werden mehr Emissionen ausgestoßen, als erlaubt. Und vor allem der SUV-Trend gefährdet die Einhaltung der Grenzwerte“, glaubt Schuster. Auch sollten laut Deutscher Umwelthilfe Autos dieser Klasse nicht mehr als Dienstwagen verwendet werden, damit zumindest steuerliche Anreize wegfallen. Dorothe Saar von der Umwelthilfe fordert: „Es muss mehr getan werden. Die Stadt geht davon aus, dass bis 2030 der Luftreinhaltungsplan überschritten wird – vor allem Dieselmotoren sind dabei schädlich.“ Laut dem Verband der Automobilindustrie verfügen vier von fünf SUVs über einen Dieselmotor. 

Neben Größe und Umweltverträglichkeit kritisieren lokale Politiker auch Auswirkungen auf das Stadtbild. Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher sieht sogar einen Nachteil für andere Verkehrsteilnehmer: „Über SUVs kann man kaum rüberschauen, als Radfahrer kann ich dadurch nicht vorausschauend fahren und fühle mich weniger sicher auf den Straßen.“ Kritiken und Meinungen über die „Stadtpanzer“ sind weit gefächert, vor allem in der Innenstadt scheinen die bulligen SUVs jedoch in Zukunft ein Problem zu sein. Gerhard Trost-Heutmekers vom „Bundesverband Parken“ sieht eine entscheidende Frage: „Man muss sich in Zukunft überlegen, ob sich ein paar Fahrer breit machen müssen und dadurch andere zwingen, immer kleiner zu werden.“

Laura Zwerger

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