Wer nicht da ist, kassiert Strafe

Zwangs-Inspektion bei den GBW-Mietern

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Was soll das? Die GBW inspiziert Wohnungen – die Mieter wie Gertraud S. (li.) und Inge V. sind verunsichert.

München - Hört das Hin und Her mit den GBW-Wohnungen denn nie auf? Jetzt sorgt ein neues Schreiben für Empörung und Schrecken unter den Mietern.

Das Unternehmen lässt hunderte Wohnungen besichtigen, schikaniert die Bewohner mit Anwesenheitspflicht über viele Stunden – und droht mit einer Strafgebühr! So sieht es also aus, wenn Finanzminister Markus Söder (CSU) wie angekündigt „Nachsorge“ nach dem milliardenschweren Verkauf der GBW an ein Konsortium des Patrizia-Konzerns betreibt!

Erst Sanierung, dann Mieterhöhung?

Das Schreiben der GBW.

Aktuell hängt die Ankündigung mindestens in den großen Anlagen in der Kreillerstraße (Berg am Laim) und in der Konradinstraße (Giesing): Gertraud S. (74) und ihre Nachbarin Inge V. (72) sind verunsichert. „Die wollen die Mieter in die Enge treiben“, sagt Gertraud S. Kommenden Mittwoch sollen sie von 9 bis 13.30 Uhr ausharren, bis sich die Herren der GBW bequemen. Laut Aushang gehe es nicht um Mängel, sondern um die Ausstattung der Wohnungen. Das lässt alle Alarmglocken schrillen. Getraud S. fürchtet: „Die wollen die Preise für die einzelnen Wohnungen festlegen.“ Die armen GBW-Mieter: Verraten und verkauft – und bald weiter verkauft?

Maximilian Heisler.

Mieterschützer wie Maximilian Heisler vom Bündnis Bezahlbares Wohnen, der als GBW-Mieter ebenfalls so einen Aushang gefundenhat, malt ein zweites Schreckensbild: „Womöglich beginnt jetzt Phase 2 bei der GBW.“ Nach der geplanten Versilberung von 4500 Wohnungen, die laut Sozialcharta erlaubt sind, könnten jetzt Sanierungen drohen. Ihm sei bereits angekündigt worden, dass seine Wohnung in Giesing 2015 komplett modernisiert werden soll. Preissteigerungen von derzeit 10 Euro pro Quadratmeter kalt auf 13 bis 14 Euro drohen! Immerhin habe ihm die GBW versichert, freiwillig nicht mehr zu verlangen, als der Mietspiegel hergibt. Das Schreiben für die Begehung hält er für unwirksam, Mieter sollten auf keinen Fall die 25 Euro Strafe zahlen.

Nach tz-Anfrage: Schreiben werden ersetzt

Auch Anja Franz vom Mieterverein hält den Aushang für eine „Unverschämtheit“. Zwar dürfe der Vermieter einmal im Jahr in die Wohnung, aber der Mieter habe Anspruch auf einen Terminvereinbarung und müsse wissen, wer da in sein Heim will. Sie fürchtet das Schlimmste: „Auf jeden Fall passiert was.“

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Das bestätigt sogar die GBW: Die Bestandsaufnahmen könnten zur Vorbereitung einer möglichen Modernisierung dienen, um den Zustand der Wohnungen festzustellen, zum anderen, um die vorhandene Ausstattung und die Beschaffenheit einer Wohnung bestimmen zu können. Immerhin: Die Schreiben zur Zwangs-Inspektion wollte die GBW nach der tz-Anfrage ersetzen lassen.

So lief der GBW-Deal

Die 32 000 meist günstigen GBW-Wohnungen – 11 000 davon in und um München – gehörten einmal der Bayerischen Landesbank, die der Freistaat mit zehn Milliarden Euro retten musste. Zum Ausgleich verhökerte die Landesbank die GBW vor einem Jahr für 2,5 Milliarden Euro. Käufer war ein Konsortium unter Führung des Patrizia-Konzerns, dessen Investoren nach Angaben des Mietervereins im Dunkeln liegen. Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht, wenn die GBW Wohnungen weiterverkauft – und das auch schon eingesetzt.

David Costanzo

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