So wurden sie zu Verbrecherinnen

Zwei Frauen - zwei traurige Entwicklungen

+
Christine K. hat ihre Mutter heimtückisch ermordet.

München - War es das Gefühl, nicht geliebt zu sein? Von niemandem wirklich gebraucht zu werden? Tatsache ist: Vor einigen Jahren führten Christine K. (41) und Andrea B. (30) ein Leben wie viele zigtausende andere Deutsche auch.

 Mit einem Job, mit Familie, mit Freunden. Doch dann passierte etwas, das sie auf die schiefe Bahn abdriften ließ. Christine K. begann zu trinken, wurde immer verzweifelter – bis sie zur Mörderin wurde. Andrea B. kehrte ihrem Land den Rücken, sie soll als Gotteskriegerin für den Islamischen Staat gekämpft haben. Gegen Christine K. erging am Dienstag das Urteil – Andrea B. wird ab Mittwoch in München der Prozess gemacht. Die tz erzählt ihre tragischen Geschichten:

Das Urteil im Muttermord

Christine K. (41) muss lebenslang hinter Gitter! Der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann sprach gestern das Urteil im Muttermord-Prozess von Unterhaching. Dabei stellte er zwar keine Besondere Schwere der Schuld fest und gibt der Angeklagten damit die Chance auf eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren Haft. Allerdings bemerkte er in seiner Urteilsverlesung auch: „Mehr Heimtücke geht eigentlich gar nicht.“ Christine K. hatte am 9. Februar 2014 ihre Mutter Karin (†70) mit einer Wäscheleine erdrosselt.

Nach der Tat lebte K. noch zwei Wochen mit der Leiche zusammen, bevor Polizisten sie nach einem Hinweis einer Nachbarin entdeckten.Als die Beamten vor der Tür standen, behauptete Christine K. zunächst, ihre Mutter sei im Krankenhaus. Aber die Polizisten bestanden darauf, einen Blick in die Wohnung zu werfen. Vor dem Wohnzimmer sagte Christine K. schließlich: „Gehen Sie da nicht rein. Dort liegt meine tote Mutter. Ich habe sie umgebracht.“ Verwesungsgeruch lag in der Luft. Mit Raumspray hatte Christine K. versucht, den Gestank zu übertünchen.

Wie konnte es so weit kommen? Im November 2013 steht Christine K. vor den Trümmern ihrer Existenz. Seit 2011 plagen sie Depressionen, dann geht die Beziehung zu ihrer Lebensgefährtin in die Brüche. Sie verliert ihren Job, ihre Wohnung wird zwangsgeräumt. „Meine Mutter nahm mich auf. Zu ihr konnte ich, wenn es mir schlecht ging“, sagt Christine K. Seither leben beide in einer Wohnung in der Fasanenstraße in Unterhaching von 200 Euro Rente. Christine K. hat Schulden. Immer wieder klaut sie ihrer Mutter Geld und Schmuck und trinkt viel. Oft kommt es zum Streit. Karin K. drängt ihre Tochter, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Doch Christine K. ist zu schwach, Suizidgedanken sind an der Tagesordnung. Sie spricht von einem Pakt mit der Mutter: „Ich musste ihr versprechen: Wenn ich gehe, nehme ich sie mit.“

Dann der Tag der Katastrophe: Am Ostbahnhof will sie für sich und ihre Mutter Mittagessen besorgen. Doch sie hat kein Geld, kehrt mit leeren Taschen und voller Scham zurück. „Ich konnte sie nicht wieder enttäuschen.“ Dann tötet sie ihre Mutter am gedeckten Tisch.

Johannes Heininger

Ein Leben als IS-Kriegerin

Drei Jahre ist es her– da führte Andrea B. (30) noch ein ganz normales Leben: Die Mutter mit den strahlend blauen Augen arbeitete als Einzelshandelskauffrau im schönen Immenstadt (Allgäu), kümmerte sich liebevoll um ihre zwei Töchter – und ging sogar regelmäßig in die Kirche. Doch urplötzlich änderte sich alles: Ab heute steht Andrea B. nun in München vor Gericht. Der Vorwurf der Anklage: Die junge Mutter wurde zur Islamistin, reiste nach Syrien – als Gotteskriegerin. Sogar ihre Kinder nahm sie mit in das Kriegsgebiet. Laut Staatsanwaltschaft war ihr Ziel, in dem Land Anschläge zu verüben und syrische Soldaten zu töten.

Von der Verkäuferin zur Gotteskriegerin – der irre Wandel der Deutschen beginnt im Jahre März 2012. Die junge Mutter konvertiert plötzlich zum Islam – wegen ihres türkischen Lebenspartners. Nur noch verschleiert betritt sie die Straße. Über das Internet lernt sie eine gewisse Nadine M. kennen. Die ist mit einem Islamisten verheiratet, der sich gerade in Syrien aufhält und sich der terroristischen Vereinigung Jabhat-al-Nusra angeschlossen hat. Nadine M. soll der Frau aus dem Allgäu nun ein unglaubliches Angebot gemacht haben: Sie könne die Zweitfrau ihres Gatten werden, nach Syrien reisen und dort gegen die Regierungstruppen kämpfen. Andrea B. sagt zu! Im Januar 2014 reist sie über Istanbul und dann über Schleichwege nach Syrien ein. Auch ihre vier und sieben Jahre alten Töchter müssen die Strapazen mitmachen. Der jungen Frau wird von den Gotteskriegern sofort beigebracht wie man mit einer Kalaschnikow schießt, wie man Handgranaten einsetzt. Aber die deutsche Polizei hat die Frau im Auge: Als Andrea B. Ende Mai kurz zurück nach Deutschland fliegt, wird sie am Flughafen festgenommen.

Nun ist die 30-Jährige unter anderem angeklagt, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben – auch weil sie lernte, wie man Bomben herstellt. Übrigens: Bei einer Verurteilung muss Andrea B. mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf Stammstrecke normalisiert sich wieder
S-Bahn: Verkehrslage auf Stammstrecke normalisiert sich wieder
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare