Zwei Mordversuche: Entschädigung statt Haft

München  - Eine Jugendstrafkammer des Münchner Landgerichts hat die nachträgliche Sicherungsverwahrung für einen 30-Jährigen abgelehnt und ihm stattdessen eine Entschädigung zugesprochen.

Der zur Tatzeit 20 Jahre alte Mann hatte neuneinhalb Jahre wegen Mordversuchen an einem Taxifahrer und einer Passantin im Gefängnis gesessen. Nun bekommt er für eine dreimonatige vorläufige Unterbringung rund 1800 Euro.

Die Voraussetzungen für die Sicherungsverwahrung seien nicht gegeben, begründete der Vorsitzende Richter Reinhold Baier das Urteil. Demnach müsse von dem Mann eine hochgradige Gefahr neuer schwerster Gewalt- oder Sexualtaten ausgehen - hergeleitet aus einer psychischen Störung und seinem Verhalten in der Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte ihren Antrag unter anderem mit der mangelnden Aufarbeitung der Verbrechen des 30-Jährigen begründet, der sich in der Haft keiner Therapie unterzogen habe.

Positive Beurteilung durch Gefängnispersonal

Zwei Vorfälle während der langen Haftzeit reichten der Jugendstrafkammer im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft nicht für die Begründung der Sicherungsverwahrung. Vom Gefängnispersonal sei der 30-Jährige grundsätzlich positiv beurteilt worden.

Münchner Gerichte waren erst zum zweiten Mal nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Mai mit der Problematik der nachträglichen Sicherungsverwahrung befasst. Eine andere Strafkammer hatte im Oktober die Maßregel für den sogenannten Westparkmörder ebenfalls abgelehnt. Dieser kam aber nicht auf freien Fuß, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn einen Haftbefehl wegen Beleidigung einer Richterin während der Verhandlung erwirkt hatte.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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