Kollaps im Flugzeug

Zwei Münchner retteten ein Leben - in 10.000 Meter Höhe

+
Eik und Monika aus München retteten in 10.000 Meter Höhe ein Leben.

Ein Münchner Sanitäter und seine Freundin (Krankenschwester) wurden in 10.000 Metern Höhe zu Helden. Sie retteten einem kollabierendem Mann das Leben.

Die Boing 747-400 der Gesellschaft Thai Air fliegt über Kabul, 10 000 Meter über afghanischem Boden, als Kurt Friedl (59) in seinem Sitz kollabiert. Niemand aus der Crew kann dem Bewusstlosen helfen – unter den 400 Passagieren im Flugzeug findet sich kein Arzt. Zwei Münchner in den Flitterwochen eilen Friedl zur Hilfe – und retten ihm das Leben.

Rückblende: Kurt Friedl und seine Frau Dagmar (48) haben Thailand und Vietnam bereist, jetzt geht’s über München heim nach Salzburg. Am 26. Februar, am Tag vor dem Flug, zieht sich Kurt Friedl eine Salmonellenvergiftung zu – das sagen ihm später die Ärzte im Freisinger Krankenhaus. Als er in Bangkok ins Flugzeug steigt, hat er Magenschmerzen. Er will heim.

Da war die Welt noch in Ordnung: Kurt und Dagmar Friedl im Thailand-Urlaub.

Im selben Flugzeug sitzen Eik (43) und Monika (33) Böning: Verlobte auf – vorgezogener – Hochzeitsreise. Eik ist Oberbrandmeister bei der Schwabinger Feuerwehr, Monika Krankenschwester und Stationsleiterin im Uniklinikum an der Ziemssenstraße – und im sechsten Monat schwanger.

Es ist halb drei nachts, das Essen abgetragen, das Licht gedimmt, als Eik zu Monika sagt: „Schau mal, die Frau da drüben watscht ihren Mann!“ Sie sitzen am Fenster, schauen rüber und grinsen. Dann merkt sie: Da stimmt was nicht.

Eik, ausgebildeter Rettungssanitäter, zwängt sich an schlafenden Passagieren vorbei, hin zu dem seltsamen Paar. Der Mann ist kaum bei Bewusstsein, dämmert immer wieder weg. Eik spricht ihn an, schüttelt ihn, zwickt ihn, fühlt seinen Puls. Die Frau, Dagmar, sagt: „Kurt hat wenig gegessen und getrunken.“ Unterzucker, denkt Eik. Kurt fängt sich. Eik ordert Cola und O-Saft, gibt Kurt Traubenzucker. Beruhigt nimmt Eik wieder Platz.

Beinahe hätte sich an Bord der Boeing 747-400 ein Unglück abgespielt.

Eine Stunde später weckt Dagmar ihn aufgeregt. „Mein Mann reagiert nicht mehr!“ Eik springt auf, fühlt den Puls: Fehlanzeige. „Alles klar, wir reanimieren!“ Er packt den 90-Kilo-Mann unter den Achseln und wuchtet ihn aus dem Sitz auf den Boden der Bordküche.

Monika legt Kurts Beine hoch – der schlägt die Augen wieder auf. Total dehydriert, denkt Eik: kaum Blut im Kopf! Erst liegend fließt es wieder zurück. Als Kurt wieder bei Bewusstsein ist, reden Eik und Monika ihm gut zu, fühlen seinen Puls, geben ihm zu trinken – und beruhigen seine Frau Dagmar. Der Co-Pilot bietet eine Notlandung an – in Kabul. Die Ersthelfer verneinen, auch Kurt will nicht.

Die nächsten fünf Stunden kümmern sich Monika und Eik um ihn, sorgen dafür, dass in München ein Arzt wartet. „Zwei Münchner im Himmel über Afghanistan“, sagt ein unendlich dankbarer Kurt Friedl der tz am Telefon. Retter Eik Böning sagt: „Das war selbstverständlich. Im Sitz wäre Kurt gestorben.“

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Normaler Verkehr auf allen Linien
S-Bahn: Normaler Verkehr auf allen Linien
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen
Sechs Orte in München, an denen wir uns aufwärmen

Kommentare