Nachwuchspreis für Regisseure

Zwei Münchner holen den Studenten-Oskar

München/Los Angeles - Zwei Münchner Regisseure können als Oscar-Gewinner auftrumpfen. In Hollywood werden sie sich zwei der drei Studenten-Oscars abholen - vielleicht sogar den Goldenen.

Update vom 22. Februar 2016: Auch heuer könnte ein Deutscher eine der begehrten Oscar-Trophäen gewinnen: Patrick Vollrath ist mit seinem Kurzspielfilm "Alles wird gut" in der Sparte "Live-Action-Kurzfilm" nominiert. Und wer geht sonst noch ins Rennen um die Oscars, die in insgesamt 24 Kategorien vergeben werden? Wir haben alle Nominierungen für die Oscars 2016 zusammengefasst.

„Volle Kanne“ geht es seit Montag in Hollywood ab, begeistert sich Peter Baumann bei einer kurzen Verschnaufpause zwischen Treffs bei der Oscar-Akademie und mit Filmemachern. „Die behandeln uns dermaßen gut“, pflichtet Lennart Ruff bei. Die beiden gebürtigen Münchner sind dank filmreifer Leistungen in Hollywood gelandet. Für den Swimmingpool auf der Dachterrasse ihres Hotels bleibt kaum Zeit, schließlich geht es auf Einladung der Filmakademie um Networking. Vielleicht gibt es Jobangebote, zumindest aber gute Kontakte. Und dann werden die Oscar-Trophäen abgeholt.

Die deutschen Nachwuchsregisseure sind mit ihrem Kurzfilmen „Nocebo“ (Ruff) beziehungsweise „Border Patrol“ (Baumann) unter den drei Auslands-Finalisten für den Studenten-Oscar. Aus Israel ist der Film „Paris on the Water“ mit dabei. Einer von ihnen wird am Samstagabend (Ortszeit) Oscar-Gold entgegennehmen, die anderen müssen sich mit Silber und Bronze begnügen. Auch ein Dutzend US-Regisseure treten in weiteren Kategorien an.

Es sei „reiner Wahnsinn“, dass die Filmakademie seinen 15-minütigen Film „Border Control“ überhaupt nominiert und dann noch in die Endauswahl genommen habe, meint der in Berlin lebende Baumann. „Niemals hätte ich eine schwarze Komödie in Zusammenhang mit der Oscar-Akademie gebracht.“ Als der Münchner im November 2012 den Kurzfilm in Bayern drehte, studierte er noch an der britischen Universität in Leeds. Es geht um zwei bayerische Grenzpolizisten (Leo Reisinger und Wolfgang Fischer), die kurz vor Feierabend eine Leiche entdecken und ihren Fund schnell in Österreich loswerden wollen.

Ruffs Abschlussfilm „Nocebo“ an der Hochschule für Fernsehen und Film München ist ein Thriller um eine fehlgeschlagene Medikamentenstudie, bei der ein Patient stirbt. Ein 22-Jähriger flüchtet aus der Klinik, um Hilfe zu holen, doch keiner will ihm glauben, denn er leidet an Schizophrenie. Auch Ruff ist von der Auswahl überrascht. „Jetzt sind eine schwarze Komödie und ein Thriller aus Deutschland im Rennen. Das sind beides Genres, die es in Deutschland eher schwer haben.“

Doch Zweifel verfliegen in Hollywood schnell. „Man klopft uns hier auf den Rücken. Da kommen Fremde auf uns zu und sagen, dass wir unsere Sache gut gemacht haben“, freut sich Baumann. Die Nachwuchsregisseure werden von der Akademie unter Filmschaffenden und Studios „herumgereicht“. Quentin Tarantino, Seth Rogen und Larry David würde er wahnsinnig gerne treffen, meint der Wahlberliner. Er ist zum ersten Mal in Los Angeles.

Zur Vergabe der Studenten-Oscars wird kein roter Teppich vor dem großen Dolby Theatre ausgerollt. Die Show geht im kleineren Theater der Regisseursgilde über die Bühne. Es gibt auch keinen Smoking-Zwang, „aber der Anzug ist schon eingepackt“, meint Ruff. „Mal sehen, wie groß der Glamour-Faktor ist.“

Es könnte tatsächlich ein Testlauf für die große Oscar-Show sein. 2011 etwa gewann der Hamburger Regisseur Max Zähle mit seinem Kurzspielfilm „Raju“ die Bronze-Statue. Im Folgejahr wurde er auch für den Kurzfilm-Oscar nominiert, ging allerdings bei der Verleihung leer aus.

Der Studenten-Oscar ist oft genug ein Sprungbrett. John Lasseter („Toy Story“, „Findet Nemo“), Spike Lee („Malcolm X“, „Inside Man“), Robert Zemeckis („Zurück in die Zukunft“, „Contact“, „Cast Away“) - sie alle standen mal hier, noch unbekannt, aber mit der Trophäe in der Hand.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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