Überfall nach Festival

Soldaten-Duo gesteht Angriff auf Polizisten

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Müssen sich vor Gericht verantworten: Die beiden Soldaten stehen für ihre Tat gerade.

München - Nach einem Festival-Besuch verfolgen zwei Soldaten einen Mann und attackieren ihn. Was sie nicht wissen: Ihr Opfer ist Polizist. Vor Gericht ist das Duo reumütig.

Am Ende sind beide den Tränen nahe. „Es tut mir unglaublich leid. Ich würde meine Tat gerne rückgängig machen, wenn ich könnte“, sagt Leutnant Lorenz O. (24) und schaut betreten zu Boden. Sein Kamerad Mathias G. ergänzt: „Es war ein einmaliger Aussetzer, den ich mir nicht erklären kann. Ich möchte mich ausdrücklich entschuldigen.“

Es ist ein seltenes Bild, zwei Männer in Bundeswehr-Uniformen so emotional zu sehen. Aber die beiden Offiziere hatten allen Grund: Sie legten vor dem Amtsgericht ein Geständnis ab – und gaben eine versuchte räuberischer Erpressung sowie Körperverletzung zu. Eine Straftat, die sie ihre Karriere beim Militär in Neubiberg kosten könnte. Aber nur, weil Martin Z. (25, Name geändert) sich gegen sie gewehrt hat.

Ihn verfolgten die beiden Soldaten gemeinsam mit einem Spezl am 10. August 2014, als sie abends beim Festival Isle of Summer in Oberschleißheim gefeiert hatten. Viel Alkohol, ausgelassene Stimmung – so erklären sich die Offiziere, dass sie Martin Z. auf dem Weg zur Bushaltestelle nachts von hinten zu Boden stießen. Aber da gerieten sie an den Falschen: Denn Z. ist Polizist. „Was wollt ihr?“, fragte er die Angreifer. „Deine Schuhe“, entgegneten sie – denn ihre eigenen hatten sie beim Tanzen im Sand verloren. Alles nur ein Spaß? Nein. „Ich habe schon gefährliche Einsätze mitgemacht und viel gesehen“, sagte Martin Z. am Montag. „Aber in dieser Situation habe ich mich konkret bedroht gefühlt und hatte Angst.“

Geldstrafe für die beiden angeklagten Soldaten

Er wies sich nach der Attacke sofort als Beamter aus. „Dass wir dann weggerannt sind, war unser größter Fehler“, sagt Leutnant Mathias G. Seinen Spezl schnappte sich der Polizist, fixierte ihn am Boden und wählte den Notruf. In einem abgekoppelten Prozess wurde ein weiterer Kumpane der Soldaten, Tim R. (Name geändert), bereits zu einer Geldstrafe verurteilt

Die Bundeswehr-Männer mussten am Montag bis zum Schluss zittern. Am Ende ließ Richterin Krause aber Gnade walten und sprach nur eine Verwarnung aus. Lorenz O. und Mathias G. müssen jeweils 2000 Euro an das Katholische Frauenhilfswerk zahlen. Ansonsten bleibt ihre Strafe von drei Monaten Haft und je 90 Tagessätzen Geldbuße unter dem Vorbehalt, dass sie sich innerhalb eines Jahres nichts zuschulden kommen lassen.

„Es war eine spontane Tat“, sagte die Richterin. „Aber Sie sehen, was so ein Blödsinn für Konsequenzen für Ihr eigenes Leben haben kann.“ Denn die Soldaten erwartet nun auch ein dienstrechtliches Verfahren beim Bund, das sich über Jahre ziehen kann: Solange werden die Leutnants nicht befördert und im schlimmsten Fall rausgeworfen. „An Offiziere stellt man eben hohe Anforderungen“, sagte Krause. „Da darf man sich so eine Tat einfach nicht erlauben.“

Andreas Thieme

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