Regiobahn-Panne an der Donnersbergerbrücke

Bahn verlässt Hauptbahnhof, dann erleben Fahrgäste mehrstündige Odyssee: „Zugführer klang verzweifelt“

Tatjana Kerschbaumer in der BRB
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Tatjana Kerschbaumer saß ewig in einem Zug der BRB fest.

60 Fahrgäste waren am Sonntagabend in einem Zug der Bayerischen Regiobahn (BRB) gefangen. Die Details zur Odyssee.

München - Die Bahn war vom Münchner Hauptbahnhof ins Oberland unterwegs. Kurz nach der Abfahrt herrschte plötzlich Stillstand – über zwei Stunden lang! Die Reisenden wurden evakuiert. Doch die Odyssee dauerte an.

„Wir sind in München* um 19.30 Uhr losgefahren“, berichtet Tatjana Kerschbaumer (31), die auch im Zug saß. Doch schon kurz vor der Donnersbergerbrücke habe die Bahn angehalten. Dass aus dem Stopp eine stundenlange Warterei werden würde, konnten die rund 60 Fahrgäste zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Nach 20 Minuten habe sich der Zugführer gemeldet, so die Miesbacherin: Ein Problem, das bei so einem Zug „noch nie gesehen wurde“, sei aufgetreten. Das fand Kerschbaumer „schon komisch“ – „angeblich sind die Züge ja quasi neu“. Meridian und BOB wurden vergangenes Jahr sukzessive durch BRB ersetzt, die Flotte wurde umgestellt.

Betroffene über Odyssee am Gleis: „Der Zugführer klang verzweifelt“

40 Minuten später erneut eine Durchsage: „Es ist ein Schlauch gerissen. Der Zugführer klang verzweifelt.“ Weiter warten. Viele Fahrgäste sind genervt, einige starren in ihr Handy, andere versuchen, auf den Sitzen ein Nickerchen zu halten. Eine Stunde und 45 Minuten sind vergangen. Kerschbaumers Warte-Rekord ist gebrochen: „Von der BOB bin ich ja einiges gewöhnt – aber die BRB toppt echt alles!“

Gegen 22 Uhr die erlösende Nachricht: Die Fahrgäste werden evakuiert. „Wir mussten in die hinteren, noch funktionierenden Wagen umsteigen.“ Der Konvoi rollt zurück zum Hauptbahnhof, wo um 22.20 Uhr ein neuer Zug Richtung Oberland fahren soll. Doch kein Zug kommt. „Stattdessen sind wir dreimal zu anderen Gleisen geschickt worden, weil immer wieder umgeplant wurde.“

23.30 Uhr. Die Miesbacherin gibt auf. „Ich habe die S-Bahn nach Holzkirchen genommen und mich abholen lassen.“ Um fünf vor 1 Uhr war sie daheim. Die reguläre Ankunftszeit des Zuges wäre um 20.20 Uhr gewesen.

Vorfall in München: Undichter Schlauch war Schuld an dem stundenlangen Stillstand

Der nächste Zug Richtung Oberland sei „leider erst um 23.42 Uhr“ gefahren, sagt Fabian Amini, Geschäftsführer der BRB auf Anfrage unserer Zeitung. Er bedauere die „stundenlange Aktion“ sehr. Ein undichter Schlauch der Hauptluftleitung sei die Ursache für den Stillstand gewesen. Die Hauptluftleitung sei direkt mit dem Bremssystem verbunden. „Wenn sie undicht ist, entweicht Druckluft, legen die Bremsen automatisch an. Es kommt zu einer Vollbremsung.“ Amini betont, dass es sich um einen „bisher einmaligen Vorfall“ handle. Man sei „sehr zufrieden“ mit den neuen „Lint“-Zügen. „Seit dem Flottentausch haben sich Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit erheblich verbessert und es gibt kaum noch fahrzeugbedingte Zugausfälle.“ (Daniela Pohl) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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