Zweite Stammstrecke

Giga-Grube Marienhof: O’baggert is!

Rund um den Marienhof rollen die Bagger. Im Rahmen des Großprojekts zweite S-Bahn-Stammstrecke haben am Mittwoch die Vorarbeiten zum eigentlichen Bau begonnen. 

Jahrzehntelang haben sie gestritten, gepokert und prozessiert, seit gestern ist es so weit: Die 2. S-Bahn-Stammstrecke wird gebaut! Am Marienhof rückten die Bagger an, um Platz für das Riesenloch zu schaffen (40 Meter!), in dem der neue S-Bahnhof entstehen soll. Für mindestens neun Jahre ist Münchens zentrale Wiese für sommerliche Spaziergänge oder Mittags-Nickerchen tabu, jetzt regieren die Bagger und Laster. Auch die Sparkassenstraße wurde gestern gesperrt. Die Stadtwerke verlegen zwischen Tal und Odeonsplatz neue Fernkälteleitungen, da sie damit ansonsten bis 2026 warten müssten. Denn ab nächstes Jahr braucht man Sparkassenstraße, Hofgraben und Schrammerstraße als Lkw-Fahrtroute. Die tz erklärt, was rund um den Marienhof passiert. 

Aufgelöste Stammstrecken-Versammlung zeigt die Wut der Bürger

Buddeln & planieren fürs Fest

Derzeit sind unter dem Marienhof Fernwärme-, Wasser-, Strom- und Gas- und Telefonleitungen sowie Abwasserkanäle verlegt. Die müssen bis Frühjahr 2018 unter die Wein-, Schrammer- und Dienerstraße verlagert werden, damit das 40-Meter-Loch für den S-Bahnhof gebuddelt werden kann. Bevor diese Straßen aufgerissen werden können, werden wiederum provisorische Fahrbahnen auf dem Marienhof verlegt. Als erstes wurde gestern die Erde abgetragen, um dort asphaltieren zu können. Auch der Platz für Bierzelte, die zum offiziellen Spatenstich am 5. und 6. April aufgestellt werden, wird schon planiert.

Archäologen werden vor allem an den Rändern des Marienhofes nach noch ungehobenen Schätzen aus der Stadtgeschichte suchen. 2026 soll die zweite Stammstrecke fertig sein, erst danach kann der Marienhof wieder als Wiese mit Bäumen wiederhergestellt werden.

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Wo Straßen gesperrt werden

Seit 2012 nutzen die Stadtwerke das Wasser des unter der Straße verlaufenden Stadtbaches, um Hausbesitzern der Innenstadt natürliche Kälte für Klimatisierungszwecke zur Verfügung zu stellen. Im Tal liegen die Leitungen schon, jetzt sollen sie weiter bis zum Odeonsplatz verlegt werden. Die Stadtwerke wollen das noch bis nächstes Jahr durchziehen, da ab Frühjahr 2018 die Sparkassenstraße, der Hofgraben und der Marienhof als Hauptzufahrten für die Baufahrzeuge der Bahn gebraucht werden, vor allem der Erdaushub erfolgt per Lkw. Gestern ging es in der Sparkassenstraße los, Radler und Autos müssen draußen bleiben. Die Bayernpartei im Rathaus fordert, den Lkw-Verkehr nicht über die Sparkassen-, sondern die Alfons-Goppel-Straße zu führen.

2. Stammstrecke: Wo die Stadt überall aufgerissen wird

Das Jahrhundertprojekt

Die alte Stammstrecke von 1972 zwischen Hackerbrücke und Ostbahnhof ist überlastet: Störungen im Tunnel bremsen regelmäßig das gesamte S-Bahnsystem aus. Um eine Alternativroute zu bieten, soll ein neuer Doppeltunnel zwischen Donnersbergerbrücke und Leuchtenbergring entstehen. Der Ausbau des Bahn-Südrings via Poccistraße und Kolumbusplatz wurde dagegen abgelehnt. Am Hauptbahnhof, am Marienhof sowie am Orleansplatz entstehen bis 2026 drei neue S-Bahnhöfe in bis zu 40 Meter Tiefe, der Hauptbahnhof soll zeitlich um zwei Jahre versetzt neu errichtet werden. Am Hauptbahnhof werden schon seit September Leitungen neu verlegt – wie seit gestern am Marienhof. Am Orleansplatz werden diese Arbeiten wohl ein Jahr später beginnen. Am Maximilianeum und in der Kellerstraße gibt es weitere Baugruben für Rettungsschächte.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

Ärger um den Stahlpavillon

An der Ecke Dienerstraße/Landschaftsstraße wird seit Januar ein 15 Meter hoher Info-Pavillon errichtet, in dem sich Bürger bis zur Eröffnung der zweiten Stammstrecke über das Bauprojekt informieren können. Bei den Rathaus-Grünen, deren Büro direkt an den Marienhof grenzt, sorgt der fast fertigstellte Showroom für Ärger: Der Pavillon werde „bis voraussichtlich mindestens 2026 den Anblick des historischen und denkmalgeschützten Rathauses und des benachbarten Dallmayrgebäudes sowie anderer bedeutsamer Altstadtgebäude beeinträchtigen“, kritisiert Stadtrat Herbert Danner. Die Bezeichnung „Pavillon“ für die massive Stahlkonstruktion sei „in höchstem Maße irreführend“. Die Rathaus-Grünen hatten auch kritisiert, dass die Rathaus-Angestellten im Gegensatz zu den Geschäftsleuten an den anderen Seiten des Marienhofes künftig nicht durch Lärmschutzwände geschützt werden. Die hatten sich das erklagt.

snacktv

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