Neues Gutachten zur S-Bahn spricht sich deutlich gegen den Südring aus

Zweite Stammstrecke: Jetzt kann’s losgehen

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Zwei Drittel der täglich mehr als 400 000 S-Bahn-Fahrgäste streben laut einem Gutachten Ziele in der Innenstadt an.

München - Der ersehnte Bau der zweiten Stammstrecke für die Münchner S-Bahn rückt in greifbare Nähe!

Neuer Hauptbahnhof rückt näher

Eine Entscheidung zugunsten der 2. Stammstrecke im Tunnel würde auch den Neubau des Hauptbahnhofs beschleunigen. Für diesen hat das Münchner Architekturbüro Auer+Weber einen futuristischen Entwurf angefertigt. Wenn die neue Stammstrecke unter dem Hauptbahnhof hindurch gebuddelt wird, muss nämlich ohnehin ein Großteil der Schalterhalle aus den 1950er-Jahren abgerissen werden. Der neue S-Bahnhof würde in 40 Metern Tiefe liegen und soll über Express-Aufzüge und Rolltreppen mit der Oberfläche verbunden werden.

Ein neues Gutachten spricht sich offenbar gegen den Ausbau des Schienen-Südrings aus, der nochmals als Alternative geprüft wurde. Damit wäre der Weg für die zweite Röhre frei.

Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) und die Landeshauptstadt hatten nach Forderungen von Rathaus-Grünen, FDP und CSU im Frühjahr die neue Studie in Auftrag gegeben. Laut SZ kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass Kosten und Nutzen des Südring-Ausbaus in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.

Nach dem Gutachten, das offiziell erst Mitte November vorgestellt wird, streben zwei Drittel der täglich mehr als 400 000 S-Bahn-Fahrgäste Ziele in der Innenstadt an. Von den rund 60 000 Ein- und Aussteigern an den U-Bahnhöfen Poccistraße und Kolumbusplatz kommen nur zehn Prozent mit der S-Bahn in die Stadt, sodass hier gar keine eigenen Umsteige-Stationen zur S-Bahn notwendig wären. Die S-Bahnen würden am Südring von so wenigen Fahrgästen benutzt, dass sich der Bau nicht rechnen würde.

Nach einer Untersuchung rückt der zweite S-Bahntunnel unter der Innenstadt (violett) näher, der Ausbau des Südrings (blau) scheidet aus

Die zweite Stammstrecke im Tunnel erreicht wesentlich bessere Werte. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) wollte sich am Mittwoch gegenüber der tz zur Studie nicht äußern: „Die Untersuchung befindet sich derzeit noch in der Erarbeitung.“ Aussagen über die Ergebnisse seien verfrüht. Das wundert den Tunnelgegner und Grünen-Landtagsabgeordneten Dr. Martin Runge sehr: „Uns hat der Minister erklärt, dass die Gutachter ihre Arbeit beendet haben.“ Runge zweifelt zudem an der Unabhängigkeit der Gutachter: „Drei der vier beauftragten Firmen sind auch mit der Planung der zweiten Stammstrecke befasst.“

Enttäuschung herrscht beim Fahrgastverband Pro Bahn, der den Südring favorisiert. Dessen Sprecher Andi Barth klagt: „Wenn man bei der Untersuchung unterstellt, an der Poccistraße und am Kolumbusplatz braucht man keinen Halt, ist klar, dass man auf kein positives Ergebnis kommt.“

Für den MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag war das Ergebnis zugunsten der zweiten Stammstrecke vorhersehbar: „Was sollte auch anderes herauskommen? Die zweite Röhre hat einfach deutliche Vorteile gegenüber dem Südring.“ Für Freitag ist vor allem entscheidend, dass die Finanzierungs-Vereinbarung baldmöglichst unterzeichnet wird. Das ist aber noch nicht möglich, weil die Kosten für den letzten, umgeplanten Abschnitt am Ostbahnhof noch nicht feststehen.

OB Christian Ude glaubt ebenfalls an das Aus für den Südring: „Dann müssten die notwendigen Entscheidungen noch heuer im Kabinett und im Stadtrat getroffen werden.“ Dass auch die neue Koalition in Berlin sich an frühere Finanzierungszusagen hält, verknüpft Ude mit der Olympiabewerbung, die von „nationalem Interesse“ sei. Außerdem gibt es für ihn auch „keinen Anlass zum Zweifel“, dass die Landesregierung hinter dem Projekt steht.

K.-H. Dix, J. Welte

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