tz-Serie zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Darum ließen die Nazis den Untergang akribisch dokumentieren

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In der Frauenkirche bat die Fotografin Elisabeth Römmelt einen Soldaten, sich ins Bild zu stellen, um die Höhe des Schutts zu dokumentieren.

München - Systematisch haben die Nazis sämtliche Denkmäler in München vor und nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg fotografieren lassen. In der tz-Serie zum Ende des Zweiten Weltkriegs in München erfahren Sie heute die Hintergründe.

Die Nazis haben vor dem Krieg gewusst, was München und anderen Städten bevorstand. Nicht nur, dass sie Bunker bauen ließen … Sie forderten vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine fotografische Dokumentation aller Baudenkmäler.

Es ging darum, dass man den Alliierten nach Kriegsende die Schäden an der Bausubstanz nachweisen und ihnen deren Reparatur in Rechnung stellen wollte. Dorothee Ott, Sprecherin des Landesamtes für Denkmalpflege, ergänzt: „Es ging darum, Kirchen, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Straßenzüge im Bild festzuhalten.“

Elisabeth Römmelt und ihr Assistent Wilhelm Messerer dokumentierten schon zu Kriegszeiten die Schäden an Münchens Denkmälern.

Nach jedem Bombenangriff wurde anschließend Bilanz gezogen, was zerstört wurde. In ganz Bayern wurde fotografiert, um die Schäden zu dokumentieren. In München tat dies ab 1943 die Fotografin Elisabeth „Lis“ Römmelt, die offenbar auch auf dem Land fotografierte.

Die Arbeit dort wurde zunehmend schwierig: Zum einen wurden die Angriffe in München intensiver und somit die Arbeit dort immer aufwändiger. Zum anderen waren die Verkehrswege zunehmend unpassierbar.

Gegen Ende des Kriegs wurde das Filmmaterial knapp. Ott: „Lis Römmelt holte wieder die alten schweren Glasplatten-Apparate heraus und schleppte diese von Aufnahmeort zu Aufnahmeort.“ Dabei war die Fotografin mit dem Fahrrad unterwegs. Ott: „Der Direktor des Landesamtes, Georg Lill, setzte schließlich höhere Lebensmittelrationen für Lis Römmelt durch. Er machte auch eine Abkommandierung zum Luftgaukommando schnell wieder rückgängig.“

Markus Hundemer verwaltet im Landesamt für Denkmalpflege den Bilderschatz.

Für den Leiter des Bildarchives des Landesamtes, Markus Hundemer, sind die Tausenden von Aufnahmen aus der Kriegszeit ein unersetzlicher Schatz: „Sie sind das visuelle Gedächtnis der Stadt aus der schrecklichsten Zeit unserer Geschichte. Ohne sie wäre es in der Nachkriegszeit oft unmöglich gewesen, zerstörte Baudenkmäler zu rekonstruieren.“

Lis Römmelt arbeitete bis 1963 für das Landesamt, sie starb 1978. Ab Kriegsende unterstützt sie der Assistent Wilhelm Messerer, der später ein renommierter Kunsthistoriker wurde – er starb im Jahr 1989 in Gräfelfing.

So waren die letzten Kriegstage in München

Johannes Welte

Heute vor 70 Jahren: Montag, 24. April 1945

  • München: Wieder ein Luftangriff auf München, die schon schwer beschädigte Residenz wird beinahe vollständig zerstört. In der Ludwigstraße verkehrt der „Gauleiter-Express“ – so haben die Münchner spöttisch eine Dampflok getauft, die nach der Zerstörung des elektrischen Tramnetzes als Ersatzverkehr in der Ludwigstraße verkehrt. Die „Volksgenossen“ werden angewiesen, beim Passieren der Straßen querliegende Bohlen und Ziegel aus dem Weg zu räumen.
  • Bayern: In den KZ-Außenlagern in Plattling und dem benachbarten Ganacker beginnen weitere Todesmärsche. Das Traunsteiner Bahnhofsviertel wird bei einem Bombenangriff zerstört, über 100 Menschen sterben. In Regensburg wird Domprediger Johann Meier hingerichtet, der zwei Tage zuvor die kampflose Übergabe Regensburgs forderte. Waffen-SS und Pioniere sprengen fast alle Fähren und Brücken an der Donau.
  • In Wemding im Ries flehen Frauen und Kinder auf Knien den Kommandanten vergeblich an, die weiße Fahne hissen zu dürfen. Das Städtchen wird von US-Artillerie beschossen, über 100 Häuser werden zerstört und beschädigt, neun Bewohner sterben. Kurz bevor die Alliierten in Ulm und Neu-Ulm einmarschieren, werden am Stadtrand Schmiedemeister Wörz und Bauer Stetter von zwei SS-Männern erschossen. Sie wollten Soldaten von der Errichtung einer Panzersperre abhalten.
  • Welt: Berlin-Zehlendorf, Tempelhof und Neukölln werden von den Sowjets eingenommen. Der „Völkische Beobachter“ stellt sein Erscheinen ein. Die Rote Armee kesselt bei Frankfurt an der Oder stehende Wehrmachts-Einheiten ein. In Berlin-Hermsdorf setzen die Sowjets den ersten Bürgermeister ein. Hitler ernennt den General der Artillerie Helmuth Weidling zum Kampfkommandanten von Berlin und entscheidet sich damit gegen einen Ausbruch aus der Hauptstadt.

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