Diese Münchner Buben rühren Millionen im TV

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Marc (li.) und Eric Hermann teilen sich die Rolle des autistischen Felix. Der eine stand morgens vor der Kamera, der andere nachmittags 

München - Marc und Eric spielen die Hauptrolle in „Der kalte Himmel“. Erfahren Sie hier, wie die Zwillinge engagiert wurden und wie die Dreharbeiten für die beiden Achtjährigen verliefen.

Sie dreht so viele Filme wie kaum eine zweite deutsche Schauspielerin: Christine Neubauer war auch 2010 maximal präsent im Fernsehen. In dem am Montag Abend gestarteten ARD-Zweiteiler "Der kalte Himmel" spielt sie wieder so eine Paraderolle: eine bayerische Mutter, die mit all ihrer Kraft dafür kämpft, dass ihr autistischer Sohn eine Chance im Leben bekommt.

Die eigentlichen Stars des Films sind aber die Münchner Zwillinge Marc und Eric Hermann, die sich die Rolle des Felix teilen. Die tz traf die beiden Neunjährigen zum ­Interview. „Schuld“ daran, dass Marc und Eric in dem Film gelandet sind, ist eigentlich – ein Stau. Mutter Andrea Hermann (42) saß gemeinsam mit den Söhnen im Sommer 2009 in ihrem Auto und steckte in Haidhausen fest. „Auf einmal klopft es an der Tür, und eine junge Frau fragt mich: ,Sind das Zwillinge?“‘ „Ja“, antwortet sie. „Eineiig?“ – „Ja.“ – „Wie alt?“ – „Acht“. „Super! Wir brauchen Ihre Jungs für einen Film.“

In der Schule ist Felix (Marc Herrmann) völlig überfordert.

Ohne groß nachzudenken, verrät Andrea Hermann ihre Telefonnummer und fährt heim. Wenige Tage später meldet sich tatsächlich die Dame von der Produktionsfirma und will Probeaufnahmen machen. Die Hermanns sind zunächst skeptisch, stimmen dann aber zu. Und das Ergebnis? Volltreffer! Regisseur Johannes Fabrick ist fasziniert – Marc und Eric bekommen die Rolle. Und das bedeutete für sie zunächst mal eines, wie sich Marc mit leuch­tenden Augen erinnert: „Wir mussten fast drei Monate nicht in die Schule gehen!“ 55 Drehtage standen auf dem Plan, die meisten in der Hallertau, einige in Berlin. Die Rektorin ihrer Schule (eine Münchner Privatschule) war einverstanden – Unterricht gab es aber trotzdem: Eine Lehrerin wurde engagiert, außerdem war stets eine Psychologin vor Ort, die acht gab, dass die Jungs nicht überfordert werden.

Vier Stunden am Vormittag war der eine dran, vier Stunden am Nachmittag der andere. Länger dürfen Kinder am Set nicht drehen, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Und sie mussten üben, üben, üben. Vor allem, weil der Felix ja ein besonderes Kind ist. „Der ist halt ein bisschen gaga und gleichzeitig total schlau“, sagt Eric. Was Autismus bedeutet, wussten und wissen die Zwillinge nicht. „Dafür sind sie zu klein“, sagt die Mama. „Wir haben ihnen erklärt, dass der Felix anders ist als sie, dass er anders fühlt und denkt und reagiert.“ „Einmal musste ich mit Hausschuhen auf ein Hopfenfeld voller Schnee rennen“, erinnert sich Eric. „Das war so kalt, ich wäre beinahe erfroren. Aber der Felix hat solche Sachen halt gemacht.“

Oder die Geschichte mit dem Essen. „Der kann seinen Löffel nicht richtig halten. Das mussten wir auch üben. Oder wenn er anfängt zu schreien und so richtig ausrastet – das war anstrengend zu spielen, hat aber auch ganz schön Spaß ­gemacht.“ Im zweiten Teil des Films (am Dienstag in der ARD), kommt Felix’ Fähigkeit zutage, dass er sich ungeheuer viele Zahlen merken kann. Wie haben die Zwillinge das hinbekommen? „Hm …“, schmunzeln sie. „Wir haben den Text gelernt, auch die Zahlen, aber da gibt es einen Trick, den wir nicht verraten, sonst kriegen wir Ärger …“ Sie lachen. Denn Ärger können sie nicht gebrauchen, vielmehr hoffen sie auf ein neues Filmangebot – jetzt, da sie Spaß am Drehen haben. Gibt es denn schon Aussichten auf ein neues Projekt? Ehe die Jungs antworten können, schreitet die Mama ein: „Marc und Eric sind nun in der vierten Klasse. Da entscheidet sich, ob sie aufs Gymnasium gehen. 2011 hat die Schule also eindeutig Vorrang.“

Widerspruch? Zwecklos. Zurzeit sind ja ohnehin Ferien. Und wenn es wieder losgeht mit der Schule, ist der Film gelaufen, und Marc und Eric sind die Stars im Klassenzimmer. „Unsere Schulkameraden haben uns damals schon gefeiert, als wir von den Dreharbeiten zurückkamen, das war schön“, erinnert sich Eric voller Stolz. „Denn unsere Freunde haben wir in der Zeit auch ganz schön vermisst.“

Stefanie Thyssen

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