Zwischen Dietl und Pumuckl: Towje Kleiner ist tot

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Der Schauspieler Towje Kleiner starb im Alter von 63 Jahren.

München - Er war eine der Hauptfiguren in Helmut Dietls Kultserie „Der ganz normale Wahnsinn“ und als Schiffskoch Odessi der neue Freund von Pumuckl: Nun ist der Schauspieler Towje Kleiner tot.

Eigentlich wollte er ja nur eine kleine Pause machen. Seine vielen Fans sehnten sich seit Jahren nach einem Comeback des Mannes, der so hinreißend mit Vorliebe den chaotisch-liebenswerten Typen gab. Doch dazu wird es nun leider nicht mehr kommen. Towje Kleiner verstarb in der Nacht zu Montag im Alter von 63 Jahren.

„Ich bin wie vom Donner gerührt!“ So reagierte Regisseur Helmut Dietl, als er gestern durch die tz von der traurigen Nachricht erfuhr. Gegen alle massiven Widerstände beim BR hatte er seinen Spezl 1974 als neurotischen Literaten Maximilian Glanz in der TV-Kult-Serie Der ganz normale Wahnsinn besetzt. „Er war ja kein gelernter Schauspieler“, erinnert sich Dietl an den damals 31-Jährigen. „Aber er war der einzig Richtige für die Rolle.“ Sein von Dietl so gelobtes „großes komödiantisches Talent“ hatte Kleiner zuvor schon in den Münchner Geschichten bewiesen. Mit den Serien, die heute Fernsehgeschichte sind, spielte sich der Mann mit dem unnachahmlichen Hundeblick in die Herzen von Millionen Zuschauern.

Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur zehrte an der Männerfreundschaft. Kleiner wusste zwar genau, wie Dietl etwas haben wollte, aber er „hatte auch immer große Lust, etwas Neues auszuprobieren“, erzählt Dietl. „Meine Arbeit war damals schon nicht gerade demokratisch – da kam es natürlich zu Auseinandersetzungen.“ Als in den letzten Folgen immer mehr Helmut Fischer in den Vordergrund rückte, der ja bald darauf – ebenfalls mit Dietl – die Figur des Monaco Franze aus der Taufe heben sollte, „war Towje vielleicht ein wenig beleidigt. Vielleicht hat er seine Arbeit nicht genügend gewürdigt gesehen“, vermutet Dietl. Man verlor sich aus den Augen.

Kleiner wuchs in Israel, Schweden, Kanada, England, Argentinien und Deutschland auf. „Er war ein Heimatloser, hat sich nirgends wirklich daheim gefühlt“, weiß Dietl. Sogar in Israel, wo der gläubige Jude hin und wieder Unterricht gab. „Er hat immer gesagt: Da sind mir zu wenig Juden“, sagt Dietl lachend.

In den 80ern drehte Kleiner TV-Serien wie Der Sonne entgegen (1984/85) und trat vorwiegend in Gastrollen auf – etwa in Polizeiinspektion 1 (1982) und im Großstadtrevier (1987).

Nach Wenn das die Nachbarn wüssten (1990/91) erschloss sich Kleiner als Schiffskoch Odessi an der Seite des rothaarigen Kobolds Pumuckl und als Nachfolger des verstorbenen Gustl Bayrhammer ein ganz junges Publikum.

1988 suchte ein großer Keks-fabrikant ein Gesicht, das Vertrauen und Freundlichkeit ausstrahlte – die Wahl fiel auf Kleiner. 13 Jahre lang knabberte er an dem Buttergebäck, und als er finanziell ausgesorgt hatte, zog sich Kleiner aus der Öffentlichkeit zurück. „Ich hatte keine Lust mehr und kein Talent, dies auch wahrzunehmen“, erklärte er der Süddeutschen Zeitung. Auf seinem Anwesen in Gmund am Tegernsee, wo er mit seiner Frau Uschi lebte, widmete er sich seinem großen Hobby, dem Uhrensammeln. Rollenangebote lehnte er stets ab. Sie passten ihm einfach nicht.

Helmut Dietl melancholisch: „Mit ihm geht eine ganze Ära zu Ende.“

Haakon Nogge

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