Das Kabinett trifft keine Entscheidung

Kultursaal: Tauziehen um den Standort geht weiter

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Inoffiziell ist das Pfanni-Gelände der Favorit der fünf zu prüfenden Flächen für den neuen Münchner Konzertsaal.

München - Im Oktober wird über den Standort für den neuen Münchner Konzertsaal entschieden. Doch einige Vorschläge, die geprüft werden, sind unrealistisch. Für Ministerpräsident Seehofer geht es um viel.

Die Eissporthalle.

Dem Kunstminister obliegt am Ende, den Sachverhalt möglichst kompliziert darzustellen. Also verliest Ludwig Spaenle einen Zettel voller Wortungetüme. Es geht um die zeitliche Realisierbarkeit, um Ausscheidungen bis zur Zuführung zur politischen Endentscheidung nach der Abwägung, mithin um die „Unumkehrbarkeit des Projekts“. Einfacher gesagt: Jetzt werden alle möglichen und unmöglichen Standorte für einen neuen Konzertsaal in München geprüft. Bis Oktober soll ein Ergebnis vorliegen, dann wird entschieden. Fünf Flächen sind dabei: der Apothekenhof in der Residenz, Olympiapark, Finanzgarten, Postpakethalle an der Arnulfstraße und das Pfanni-Gelände am Ostbahnhof. Geprüft wird all das, weil man sich nicht vorwerfen lassen will, einen Standort zu ignorieren.

Die Paketposthalle.

Die Fünfer-Prüfung ist das Ergebnis vor allem CSU-interner Differenzen. Ministerpräsident Horst Seehofer favorisiert im Einklang mit Münchens OB Dieter Reiter (SPD) das Pfanni-Gelände. Spaenle warb mal für den Olympiapark, mehrere Abgeordnete für die Paketposthalle. Die Prüfung schafft vor allem Zeit, um sich hinter Seehofer zu sammeln. Als Hauptkriterium gilt, dass der neue Konzertsaal 2018 im Bau sein soll.

Offiziell beginnt die Prüfung ohne Favoriten, inoffiziell liegt Pfanni vorn, wie auch Spaenle auf Nachfrage einräumt: „Wenn man die Hauptkriterien hernimmt, hat der eine die Nase weiter vorn als der andere, das kann man jetzt schon erkennen. Da ist natürlich Pfanni mit dabei, das bei der Realisierung mehr Punkte sammelt als andere.“ Das frühere Areal der Kartoffelpüree-Firma wäre schnell verfügbar und könnte mit privaten Investoren bebaut werden. „Insider hören, wo es hinläuft“, hatte Seehofer vergangene Woche vielsagend über das Gelände gesagt.

Der Finanzgarten.

Nicht aus dem Rennen ist die Paketposthalle. Hier hat sich die Post wohl bereiterklärt, ihr Briefzentrum zu verlagern. Die anderen mit geringeren Chancen sind der Olympiapark (dauert zu lange). Außerdem der Apothekenhof: Intern gelten Denkmalschutz und die Größe als unüberwindbare Hindernisse. Dritter unrealistischer Standort ist der Finanzgarten. Hier spottet Seehofer selbst seit Wochen, es werde massive Widerstände gerade von Naturschützern geben. Auch Klagen drohen.

Beauftragt wird mit der Prüfung das Frankfurter Architekturbüro Speer, das in einer früheren Phase des Endlos-Projekts zwölf Standorte voruntersucht hatte. Die Kosten beziffert Spaenle auf knapp unter oder über 100.000 Euro.

Der Apothekenhof.

Nun wird es spannend, ob alle Wünsche unter einen Hut zu bekommen sind. Oliver Jörg, oberster Kulturpolitiker der CSU-Fraktion, drängt darauf, die Hochschule für Musik in die Planung aufzunehmen. Die Freien Wähler verlangen, dass der neue Saal 2020 steht, ehe die Gasteig-Sanierung beginnt. Die Grünen loben die Prüfung, halten sie für überfällig, spotten aber über die „Standort-Kakophonie“ der CSU. Die SPD spricht von einem endlich „geordneten Verfahren“.

Was Spaenle „Unumkehrbarkeit“ nennt, ist für Seehofer politisch brisant. Er hat den Baustart für 2018 versprochen. Das ist das Wahljahr in Bayern – für den Ministerpräsidenten geht es darum, mit einem gebrochenen Versprechen abzutreten oder sich auf den letzten Metern der Amtszeit ein kulturpolitisches Denkmal zu setzen.

Christian Deutschländer

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