Schwein gehabt...

Aktionskünstler HA Schult zeigt sein Tollwood-Werk

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HA Schult (mit Muse Elke Koska) zeigt sein Tollwood-Werk.

München - Da hat sie aber Schwein gehabt, die arme Sau! Eigentlich sollte sie vom Himmel herabschweben und auf dem Tollwood landen. So der Plan von HA Schult (75), dem legendären Aktionskunst-Pionier und Umwelt-Propagandisten.

Diese Flying Pinc Pig-Vorstellung sollte Teil seiner Aktion WIR das Tier sein, mit der er auf Tollwood gegen industrielle Massentierhaltung protestiert.

Aber dann klärte sein alter Freund Karl Ludwig Schweisfurth, der bekannteste Bio-Bauer der Nation, den Künstler auf, dass Schweine „viel sensibler sind als Menschen“: Das arme Viecherl würde am Herzinfarkt sterben. Und weil HA Schult ja keine Tiere misshandeln, sondern gegen ihre Misshandlung mobil machen will, wurde auf den Absprung verzichtet.

Als Ersatz fürs Flugschwein gab’s nicht nur Sauwetter mit Dauerregen, sondern der Künstler warf sich höchstpersönlich in die Bresche: Als genialer Selbstdarsteller posierte er vor einem Plastikschwein – samt seiner Muse (im blümeranten Göttin-Flora-Look: Elke Koska). Und weil Schult, der eine Art Leopardenhose zum Pinguinfrack trug, für jede Viecherei zu haben und eine sympathische Rampensau ist, sorgt er mit Entertainerqualitäten für gute Unterhaltung: Agiler als mancher 40-Jährige erinnerte er sich an seine Zeit in München (1961 bis 1978), wo er als Taxler angefangen hat und später bei einer Kunstaktion die Schackstraße zumüllte.

Natürlich erklärte er auch seine Tierstraße auf Tollwood. Diese Freiluft-Installation ist eine begehbare Bilderschlucht aus 22 großformatigen Fotos, die paarweise gegenübergestellt werden: Da sieht man etwa unter dem Titel Society ein Upper-Class-Paar beim Burger-Verschlingen und als Kontrast ein putziges, glücklich wirkendes Schweinderl. Eine Fotomontage zeigt dutzende „Guantanamo-Hühnchen“ mit Fußfesseln und Folterkapuzen auf dem Kopf.

Ob Schults „Tableau“ in künstlerischer Hinsicht saugut ist, sei dahingestellt und interessiert auch kein Schwein. Denn die Absichten des Künstlers sind zweifellos ehrenwert. Sicher, man muss kein ästhetisches Trüffelschwein sein, um wahrzunehmen, dass ein deutlicher Hauch von Zirkus und Kunsttümelei dieses Projekt umweht. Aber gerade damit passt das ganze Happy-Hippo-Happening punktgenau zu Tollwood, diesem Tummelplatz für Idylliker, wo der Kleingärtner-Glaube an ein richtiges Leben im falschen vermarktet wird. Was aber immer noch besser ist, als wenn die Menschen sich gegenseitig zur Sau machen.

Alexander Altmann

Bis 27. Juli, Olympiapark, Mo. bis Fr. 14 bis 1 Uhr, Sa./So. 11 bis 1 Uhr.

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