Innige Liebe

Calexico begeistert auf dem Tollwood

München - Der Fall ist klar: Es war ein geniales Konzert von Calexico. Am Ende wurden die Eingänge des Tollwood-Zelts geöffnet – doch keiner wollte gehen.

Verzaubert von zwei Stunden im Klangkosmos einer außergewöhnlichen Band, blickten knapp 5000 Menschen weiter zur Bühne, jubelten, klatschten, tanzten. Dass Calexico nach bereits vier (!) Zugaben noch einmal kommen würde, glaubte keiner. Und doch kehrten die sieben sichtlich glücklichen Musiker für zwei weitere Songs zurück. Zuvor dankte Sänger und Gitarrist Joey Burns, der Mitte der Neunziger mit Schlagzeuger John Convertino die Band in Arizona gegründet hat, dem Publikum in nahezu akzentfreiem Deutsch für den Abend – verdrehte Welt eigentlich.

Aber Sympathie und Anerkennung, die der Band von Beginn an entgegenschlugen, waren auch für die tourerprobten Musiker herausragende Erlebnisse. Es ist eine innige Liebe zwischen Calexico und den Münchnern, seit 1997 die erste CD der Band auf dem Landsberg-Münchner Label „Hausmusik“ erschienen ist. Entsprechend verschwenderisch schenkten Calexico auf dem Tollwood von jeder Platte nur das Beste: Nach ihrer Version des US-Schlaflieds „All the Pretty Horses“ entfesselte die grandiosen Musiker „Epic“ vom aktuellen Album „Algiers“. Von diesem stammte das Gros der Songs, dazwischen Wertvolles wie „El Picador“, „Crystal Frontier“ und das Mexiko-Trompeten-gestützte „Roka (Danza de la muerte)“. Dieser sorgsam austarierte Mix aus Folk-Rock, Alternative-Country, Mariachi-Trompeten, Son Cubano und atmosphärischem Indie-Rock macht den einmaligen Reiz des Ensembles aus. Das Beste war aber Burns’ Abschiedsgruß: „Bis nächstes Jahr!"

Christoph Ulrich

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