Klasse und Klamauk

So war Helge Schneider auf dem Tollwood

+
Helge Schneider (Archivbild)

München - Konzert auf dem Tollwood: Nur ein Helge Schneider ballert seinen größten Hit, „Katzeklo“, gleich zu Beginn des Konzerts raus, und nur er braucht seine neue CD „Sommer Sonne Kaktus“ (erscheint im August) nur spärlich zu bewerben.

Mehr hat der 57-Jährige nicht nötig. Stattdessen präsentiert er sich auf dem Tollwood in der vollbesetzten Musik-Arena lieber von einer anderen Seite: Er gibt den nach innen gekehrten, angenehm zurückhaltenden Jazz-Musiker. Klar, Klamauk gehört zum Schneider-Konzert wie die „Möhrchen aus dem Glas“. Also sind Tee-Trink-Exzesse auf seiner Bühne (bis sie auch den letzten im Publikum nerven) ebenso obligatorisch wie pointensichere Sinnlos-Ausführungen über das Chinarestaurant „Mykonos“ in Schweden. Zwischendurch wird Herbert Grönemeyer mit nasalem Nuscheln herrlichst parodiert, und sein Lied „Käsebrot“ spielt der „geniale Dilettant“ Schneider gleich ganz mit anderem Text und anderer Melodie.

Das bringt Spaß, das ist Helge für die Massen. Doch dann spielt er auch diese kluge Musik: raffiniert, subtil, nachdenklich, improvisiert. Der große Vollblut-Entertainer nimmt sich am Piano zurück, arbeitet konzentriert seinen Band-Kollegen Ira Coleman (Bass), Willy Ketzer (Schlagzeug) und Saxophonist Scott Hamilton zu. Eine Ehre für die einen, eine Kunst für den anderen, ein Genuss für Dritte. Denn trotz aller Ernsthaftigkeit setzten die Musiker bei ihren Jazz-Sessions elegant auf humoristische Akzente – ohne in die Banalitätsfalle zu tappen. Grotesk wird der Abend nur explizit, wenn Ausdruckstänzer Sergej Gleithmann mit seinen abenteuerlichen Choreographien loslegt. Aber er wird nur achtsam eingesetzt. Der Musiker Helge Schneider schließlich soll im Zentrum bleiben.

von Angelika Mayr

auch interessant

Kommentare