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25 Jahre Tollwood:

Aus dem Unterholz in den Park

Letzte Arbeiten am Jubiläumstollwood verrichtet dieser junge Mann. Am Mittwoch geht’s los. Foto: Klaus Haag

München - Am Mittwoch startet das Festival im Olympiapark – Zum Jubiläum gibt’s eine Skulptur und die Neuauflage von Ludwig Thomas „Erste Klasse“.

Ob die Organisatoren des ersten Münchner Tollwood-Festivals geahnt haben, dass es einmal einen 25. Geburtstag geben würde? Eher nicht, hört man die Erzählungen von Hans Well. Er und seine Brüder von der „Biermösl Blosn“ sollten 1988 den ersten Aufritt bestreiten: „Uwe Kleinschmidt hatte kurz vor Beginn erst im Wald die Stangen für das Zelt schlagen lassen. Sie haben die Last nicht ausgehalten, und so ist das Zelt kurz vor dem Auftritt im Wind zusammengebrochen.“

Viel ist passiert, seit Kleinschmidt, Pionier der Münchner Kleinkunstszene und Chef der Bühne „Musikalisches Unterholz“ (liebevoll „Muh“ abgekürzt), das „Tollwood“ mit Verve und ohne Budget ins Leben rief. Was als hemdsärmelige Nischenveranstaltung mit einem Zelt und 20 000 Besuchern begann, zieht heute Millionen Besucher in den Olympiapark und im Winter auf die Theresienwiese. Die Künstler wurden international, die Händler kommerziell, das Angebot teurer, der Flohmarkt-Charakter verschwand – nur der schwere Patschuli-Duft über den Ständen blieb.

Uwe Kleinschmidts Partnerin Rita Rottenwallner, die nach dessen Tod 1997 beim Tollwood die Fäden übernahm, entwickelte das Festival weiter. Eine Philosophie der Veranstaltung blieb allerdings bestehen: Kulturgenuss und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Deshalb wird versucht, den ökologischen Fußabdruck des Festivals möglichst klein zu halten. Die Gastronomie des Tollwood ist seit 2003 biozertifiziert. Der Eintritt zu rund 70 Prozent der Veranstaltungen ist frei.

Ab dem kommenden Mittwoch um 14 Uhr startet das Tollwood sein buntes Programm. Zur Feier des 25-jährigen Jubiläums wird eine ganz besondere Kunstinstallation die Zeltstadt bereichern. Die Idee zu „Hippocampus – Der Berg lebt“ kommt von den Künstlerbrüdern Nick und Clemens Prokop. Dabei soll der Olympiaberg, seit Jahren Nachbar des Tollwoods, „zum Leben erweckt werden“. Jeden Abend darf sich ein freiwilliger „Dompteur“ mit dem Berg befassen und versuchen, ihm durch Gesten Erinnerungen aus einem Vierteljahrhundert zu entlocken. Ein interaktives System übersetzt diese Gesten intuitiv und in Echtzeit in Ton, Licht und Farbe. So kann der Dompteur das Kunstwerk direkt beeinflussen.

Viele alte Bekannte (Georg Ringsgwandl, Schmidbauer & Kälberer), aber auch neue Künstler erwarten die Besucher. Zum ersten Mal in München sind zum Beispiel die Forman Brothers aus Tschechien, die mit ihrem schillernden Varieté-Theater „Obludarium“ auf dem Tollwood Deutschlandpremiere feiern. Der „Cirque ici“ aus Frankreich gastierte dagegen schon 2004 mit dem Stück „Secret“ auf dem Tollwood. Außerdem werden sogenannte „Walk-Acts“ über das Gelände wandern und die Besucher mit humorvollen Darbietungen überraschen. Die Straße zur Bühne macht so zum Beispiel das Duo „Basso-doble“, das die Geschichte eines frechen, laufenden Kontrabasses erzählt.

Musikalisch reicht die Bandbreite von nachdenklichem Pop über funky Jazz bis hin zu Hard Rock. Die Konzerte von „Unheilig“, „ZZ Top“, „Santana“ und „Zaz“ sind bereits ausverkauft. Wer die Hippie-Ikonen Crosby, Stills & Nash am kommenden Montagabend oder Rock-Dandy Bryan Ferry am Mittwoch live erleben möchte, sollte sich zumindest beeilen.

Seine Wurzeln in der Kleinkunstszene würdigt das Tollwood im Jubiläumsjahr 2013 mit einem eigenen „Muh-Zelt“. Dort werden Urgesteine wie Konstantin Wecker, Sigi Zimmerschied und Hans Well sowie Newcomer der Szene auftreten. Besonderer Höhepunkt ist Ludwig Thomas Komödienklassiker „Erster Klasse“ im neuen Gewand: Unter anderem Helmut Schleich und Uli Bauer machen den Schwank zu einem bissigen, aktuellen Kabarettstück.

Etwa 20 Länder sind dieses Jahr in der Gastronomie und auf dem „Markt der Ideen“ vertreten. Ein Zelt ist ganz der indischen Kultur gewidmet. Neu im Jubiläumsjahr: Auf dem gesamten Festivalgelände gibt es „Bio-Helles“. Auch dieses Jahr engagiert sich das Tollwood für den Schutz der Umwelt, darunter „Right2water“, ein Projekt, das sich gegen die Privatisierung von Wasser einsetzt. Wie immer gibt es keinerlei Einweggeschirr oder Plastiktüten und 50 Prozent des Mülls der Veranstaltungen sind recycelbar. Die MVG richtet eine Sonderbuslinie ein, die direkt am Tollwoodgelände Halt macht.

Tami Holderried

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