Zum Auftakt des Sommerfestivals

25 Jahre Tollwood: Wecker und Niedecken erinnern sich

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München - Konstantin Wecker und ­Wolfgang Niedecken sind Urgesteine auf dem Münchner Tollwood. Zum Auftakt des 25. Sommertollwoods haben wir die beiden gefragt, was das Festival für sie so besonders macht.

Das allererste Tollwood-Festival ging vom 1. bis 11. Juli 1988 über die Bühne. Schon damals Mit dabei: Konstantin Wecker. Ganz so lange ist ­Wolfgang Niedecken zwar noch nicht auf dem Festivalissimo, aber für einen Kölschen Jong auch schon bemerkenswerte über zehn Jahre. Und überhaupt ist der BAP-Frontmann ja mit einer Bayerin verheiratet. Heute startet das 25. Sommertollwood! Zum Auftakt unserer kleinen Serie wollen wir die beiden Künstler – den 66-jährigen Münchner Wecker und den 62-jährigen Kölner Niedecken – getrennt voneinander befragen: Was macht dieses Festival aus?

Tollwood und München

Tollwood-Urgestein Konstantin Wecker

Wecker: Tollwood ist ganz einfach deshalb münchnerisch, weil es dazugehört. Es gibt hier nichts, das es nur in unserer Stadt gibt. Aber es hat vor 25 Jahren mit unheimlich spannenden, alternativen Konzerten begonnen. Und das hat sich bis heute unbedingt erhalten.

Niedecken: Es ist ein großer Jahrmarkt unter bayerischen Vorzeichen. Es steht mal ein Bierzelt dazwischen. Hier gibt es nicht die üblichen Schausteller, die anonym Zeug feilbieten. Ich ärgere mich schwarz, wenn ich keine Zeit für die Stände habe.

Das erste Mal

Wecker:  Vor 25 Jahren war das Zelt gnadenlos überfüllt. Ich habe es dann öffnen lassen, damit jeder zuhören kann – auch die, die keinen Eintritt gezahlt hatten. Es war wahnsinnig heiß!

Niedecken: Das war vor etwa zehn, elf Jahren im Großen Zelt mit BAP. Und was passierte? Es gab ein gigantisches Gewitter, das war einfach nur noch atemberaubend.

Unvergessliches

Wecker: Wir hatten immer Probleme mit der Sperrstunde um 22 Uhr. Es ist jedes Jahr der gleiche Zinnober wegen ein paar Anwohnern. Ich erinnere mich, dass wir allerdings einmal um viertel vor zehn aufhören mussten. Warum? Weil es einen unfassbaren Sturm gab.

Tollwood-Fan Wolfgang Niedecken

Niedecken: Wir haben mal einen John-Lord-Hommage nach seinem Tod gemacht, ein Foto von ihm projiziert und ein großes Hammondorgel-Solo eingebaut. Das war ein absoluter Gänsehaut-Moment und eine sehr würdige Geschichte. Die Leute gingen total mit.

Die Atmosphäre

Wecker: Die ist was Besonderes. Ich würde mir wünschen, dass im nächsten Jahr bei 40 Jahren Wecker mein Jubiläumskonzert hier stattfindet. Auf Tollwood kommen viele Leute, die nie ins Gasteig oder in den Krone gehen würden, sondern nur hierher. Das macht die Stimmung so einmalig.

Niedecken: Wir haben das hohe Glück, dass der Prozentanteil an Rheinländern in München ziemlich stattlich ist – und dass sich meine „Landsleute“ sehr gut mit den Münchnern mischen, die ja auch feierwütig sind. Das ist insgesamt eine unheimlich gute Melange, die da auf den Tollwood-Konzerten zusammenkommt.

Und was gibt’s danach?

Wecker: Man versucht, auf dem Gelände zu bleiben und noch ein bisserl zu feiern. Das Problem: Je mehr die Anwohner werden, desto schwieriger wird der Aufenthalt. Überspitzt gesagt: Wenn’s um die Kultur geht, dann hat die Ruhe zu schweigen, finde ich. Noch dazu, wenn’s nur ein paar Wochen im Jahr sind.

Niedecken: Nach meinem Schlaganfall vor zwei Jahren muss ich ruhig machen. Also mittlerweile heißt es: heiße Badewanne und Kräutertee. Ich habe die Gelbe Karte bekommen, ich will nicht mit Gelbrot vom Platz. Früher waren wir meistens nach dem Auftritt in Schwabing unterwegs, etwa im Vereinsheim. Sehr empfehlenswert!

Lieblingsplatz

Wecker: Ich mag sehr gerne den großen Garderoben-Bereich fürs Umziehen. Der ist groß, die Atmosphäre ist freundlich. Ich habe überhaupt bei Tollwood immer das Gefühl, daheim zu sein.

Niedecken: Viele. Ich habe mich im vergangenen Jahr sehr gefreut über einen Marrakesch-Stand. Dort gibt es einen Pfefferminztee, der genauso schmeckt wie in Marokko. Einfach wunderbar!

Souvenirs

Wecker: Da fällt mir nichts Bestimmtes ein. Aber ich bin früher mit meinen Kindern immer durchgelaufen und habe ihnen gekauft, was immer sie wollten – Essen und Spielsachen.

Niedecken: Das Modell einer roten Kastenente aus Dosenblech. Ich hatte genau so ein Auto in echt, mit dem ich als junger Mann wochenlang nach Marokko und Syrien gefahren bin.

Schon andere gehört?

Wecker: Hole ich heuer nach bei Crosby, Stills & Nash. Ich habe eine DVD gesehen, wo sie gegen den zweiten Golfkrieg protestierten. Immerhin war die Hälfte des US-Publikums begeistert …

Niedecken: Ich komme in der Regel einen Tag vor dem Konzert an und höre mir vieles an, aber nicht zielgerichtet. Im vergangenen Jahr spielten vor uns die CubaBoarischen, das hat mir gut gefallen.

Wünsche für die nächsten 25 Jahre

Wecker: Weitermachen! Stur bleiben in Gedanken, dass die Künstler in Zukunft bis elf oder länger spielen dürfen. Ich werde mich jedes Jahr einplanen.

Niedecken: Dass sich das wunderbare Festival weiter trägt. Das ist nichts für Dünnbrettbohrer, so ohne öffentliche Zuschüsse und auf diesem hohen Niveau. Ich ziehen den Hut!

Wie oft treten Sie hier noch auf?

Wecker: Mindestens noch ein Vierteljahrhundert, und dann seh ma weiter. Ich halte mich an meinen großen Kollegen Dieter Hildebrandt, der immer noch unterwegs ist. Das will ich auch!

Niedecken: Ich hoffe, dass ich so lange wie möglich und so oft wie möglich hier auftreten werde. Man wird sehen – auf jeden Fall: An mir soll’s nicht liegen.

Matthias Bieber

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