"Lautär! Tanzön!"

Konzert-Kritik: Zaz auf dem Tollwood

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Zaz wirbelte auf dem Münchner Tollwood durchs ausverkaufte Zelt.

München  - Zaz ist Deutschlands neue Lieblingsfranzösin. Auf dem Münchner Tollwood wirbelte sie durchs ausverkaufte Zelt. Hier lesen Sie die Konzert-Kritik.

Sie gibt uns allen das Gefühl, dass wir noch Ente fahren – und keinen Skoda Kombi. Zaz ist Deutschlands neue Lieblingsfranzösin, das Spatzl von Tours. Auf dem Tollwood wirbelte sie jetzt durchs ausverkaufte Zelt. Kleine Französin, 5000 Menschen: kein Problem für Zaz. Sie gab die Rampen-Madame, hatte Spaß, machte Spaß. Auch wenn die leisen Töne ein wenig zu kurz kamen.

Die quellfrische Neu-Chansonette gab von Beginn an den Takt vor, auf Deutsch: „Lautär! Tanzön!“ Und die Fans tanztön mit Zaz, die mit Windmühlenarmen über die Bühne fegte wie der Mistral über Südfrankreich. Froh làlà, was für eine Energie! Die Beinahe-schon-Klassiker Le Long de la route und Je veux wurden vom Publikum euphorisch begrüßt wie gute alte Bekannte. Oh ja, München spricht Französisch, jede Textzeile saß!

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Aber Zaz kann noch viel mehr – vom Jazz über den ansteckenden Bubblegum-Pop Nous debout vom aktuellen Album Recto verso bis zu Edith Piafs La vie en rose verwandelt sie jedes Stück mit ihrer rauchigen Rote-Gauloises-Stimme in Zaz-Musik. Und alles klingt nach unserem geliebten Amélie-Poulain-Frankreich. Tollwood, oder: Das wunderbare Zelt der Amélie.

Nur die leisen Momente funktionierten nicht recht auf der Gallier-Fete. Sobald Poesie ins Spiel kam (Si je perds), verlor Zaz das Publikum, das Plappern und Schnattern wurde lauter als die Musik. Denn immer mehr Menschen gehen auf Konzerte, um sich zu unterhalten – und zwar miteinander, und zwar so laut wie möglich.

Für diese Unsitte kann Zaz nichts. Trotzdem würde man sie gern mal auf einer kleineren, intimeren Bühne erleben. Das wäre bestimmt wünderbar.

Jörg Heinrich

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