Konzertkritik

Kritik: Hubert von Goisern auf dem Tollwood

München - Er ist der unbestätigte Erfinder des Alpenrocks: Hubert von Goisern ist am Wochenende auf dem Tollwood aufgetreten. Lesen Sie hier die Kritik:

Es wurde keine schweißtreibende Mitgröl-Party. Da konnte der unbestätigte Erfinder des Alpenrocks noch so sehr sein „ungewohnt ruhiges“ Publikum anstacheln, noch so oft verärgert die Refrains wiederholen lassen. Irgendwann gab Hubert von Goisern in der vollen Gehrlicher Arena auf dem Tollwood nach und ließ nur noch Instrumente sprechen. Eine Hommage an die Musik begann, und die hörte viel zu früh wieder auf.

Sein Ziehharmonika-Solo machte den Anfang, und das befriedigende Gefühl „hier, auf diesem Konzert, auf diesem Sitzplatz bin ich heute richtig“ folgte prompt. Auch danach stellte der Altmeister im Oberlehrer-Outfit zusammen mit seinen vier Rocker-Jungspund-Kollegen so manchen Wahnwitz auf der Bühne an, doch die Zuschauer blieben bis zur Zugabe auf ihren Stühlen kleben. So schließlich kann man besser zuhören, kann man am besten genießen. Die schwerelosen Töne der Akustik-Gitarre ebenso wie die brennenden der Klarinette aus „hochwertigem Plastik“. Das Zelt verschluckte zwar gerne so manche Textzeile, doch vernahm sie trotzdem jeder. Innerlich. Und so hätte der fast 60-Jährige selbst das uralte „Goisern“ als Liebeslied an sich selbst umdeuten können. Dieses Mal wäre es nicht anmaßend rübergekommen, sondern als den-Nagel-auf-den-Kopf-getroffen. Denn irgendwann war er gar nicht mehr so weit, weit weg von einem. Sondern ganz nah, fast, als sitze er neben einem und spiele nur für einen selbst.

Angelika Mayr

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