Guade Stimmung mit oide Hadern

Kritik: Der Raini auf dem Tollwood

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Rainhard Fendrich sang sich durch sämtliche alte Lieder.

München - Es lebe der Fendrich! Bereits zum siebten Mal war der immergrüne Austro-Altstar samt Band zu Gast in seinem Tollwood-Stammzelt.

Doch nie zuvor hat sich das Gemma-Fendrich-Schauen so gelohnt wie diesmal. Der Raini kurzgeschoren, fit, aufgeräumt – es war die Raini-Freude, ihn zu erleben.

Weil sich das neue Album bisher noch dem Licht der Welt verweigert, kündigte Rainhard Fendrich gleich zu Beginn ein Programm an, „das überwiegend aus uralten Hadern besteht“ (Deutsch: Fetzen). Große Freude im vollen Zelt – denn obwohl der Wiener einer der wenigen Künstler seiner Generation ist, bei denen auch neue Songs live für Freude sorgen, macht das Hadern-Hören bei Fendrich besonders Spaß. Handelt es sich doch ausnahmslos um herrliche Groß-Hadern, und niemals um überflüssige Klein-Hadern.

Mit viel Schmäh und selbstironischer denn je sang sich Fendrich durch sein opulentes Werk – und wunderte sich bisweilen selbst, was er mit dem einen oder anderen Text gemeint haben mag: „Vielleicht war i damals auf Drogen. Jetzt bin ich nicht mehr auf Drogen und kann's wenigstens ordentlich singen.“ Und das tat er! Vom ältesten Hut des Abends, der immer noch leiwanden Automobil-Ode „Zweierbeziehung“ bis zur herzzerreißenden Danzer-Hommage „Lass mi amoi no d'Sunn aufgeh' segn“ – alles nur vom Feinsten.

Sogar seine eigentümliche Scheu vor den Blödeleien der Frühzeit hat Fendrich abgelegt, gönnte den Zuhörern einen triumphalen Zugabenblock, unter anderem mit dem Lira-Rückblick (und Vorschau?) „Strada del Sole“, mit „Macho Macho“ und natürlich dem „Bergwerk“. Bei diesen Hadern gibt’s nichts zu hadern.

Jörg Heinrich

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