Kritik: Der "Watzmann" mit Wolfgang Ambros auf dem Tollwood

München - Der Watzmann ruft, und München kommt: Wolfgang Ambros und Co zeigen beim Konzert auf dem Tollwood, dass das Rustical auch nach vierzig Jahren nichts von seiner Strahlkraft eingebüßt hat. Die Kritik:

Hier und da ist auch am Fuß der Alpen der Fortschritt angekommen. Der „Bua“ besitzt ein Smartphone, und als das Licht in der Stube flackert, schimpft der Bauer über die Entscheidung, zu schnell die Atomkraftwerke abgeschaltet zu haben. Sonst ist zum Glück alles beim Alten geblieben. Majestätisch steht der Berg, umwabert vom (Kunst-)Nebel, umzuckt von Blitzen. „Der Watzmann ruft“ seit vierzig Jahren – und seine Stimme ist so kräftig wie eh und je.

Und auch die handelnden Personen sind zwar ziemlich verwittert, doch immer noch voller Leben. Allen voran Mitautor und Erzähler Wolfgang Ambros, der das Tollwood-Publikum am Dienstagabend von Anfang an rockte – auch wenn er zunächst wirkte, als würde er auf 8000 Metern Höhe ohne Sauerstoff herumkraxeln. Doch der Veteran des Austropop verströmt die Aura des Weisen, der das „Rustical“ durch Klassiker wie „Der Weg zu Dir söba hört nie auf“ zur Parabel aufs Leben aufdonnerte.

Das Stück, eine Parodie aufs ganz und gar unlustige Bergbauerndrama, eine wilde Story um die Verlockungen des Weibes und des Berges, ist und bleibt ein Sammelsurium aus depperten Dialogen („Aufi muass i!“) im kehligen Gebirglerdialekt, ausgeklügelten Choreographien und viel Slapstick. Joesi Prokopetz – auch er ein Urgestein – und Christoph Fälbl zeigten als Vater und Sohn sowie als tumbe Knechte keine Ermüdungserscheinungen, sie gaben der Gams ordentlich Zucker und forderten das Publikum heraus. So viel Sexappeal war nie – mit EAV-Legende Klaus Eberhartinger als Gailtalerin. Kein Wunder, dass sich die Männer rudelweise kopflos ins Verderben stürzen.

Und was wäre der „Watzmann“ ohne Musik? Sie ist der Jagertee, mit dem man sich diesen schrägen Spaß so richtig schönsaufen kann. Wummernde Bässe, singende Gitarren – Erich Buchebner, Günter Dzikowski, Peter Koller und Harry Stampfer sorgten für den satten Sound, der aus jeder Nummer einen (Mitsing-)Hit machte. „Der Watzmann ruft“ – hoffentlich noch lang!

Rudolf Ogiermann

Rubriklistenbild: © dapd

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