Luftschlösser und schöne Aussichten

Letzte Handgriffe beim „Tollwood“-Aufbau: Wie immer kommt die Fressmeile der Zeltstadt auch heuer ohne Gentechnik aus. Foto: Klaus haag

München - Am Freitag beginnt das Tollwood-Festival im Olympiapark - mit aufgepumpten Skulpturen, vielen Konzerten und anderen Attraktionen.

Es lohnt sich, auf dem Tollwood-Festival ab und zu auch mal die Schuhe auszuziehen. Denn diesmal steht zwischen den Zelten im Olympiapark eine besondere Skulptur: Ab dem heutigen Freitag, wenn das Tollwood wieder für knapp vier Wochen seine Pforten öffnet, präsentiert sich das aufgepumpte „Luminarium“ strumpfsockerten Besuchern als skulpturales Labyrinth, das in wechselnd buntes Licht getaucht ist. Für Festival-Sprecherin Christiane Stenzel ist das Luminarium eine „Oase der Ruhe“, die einen „Gegensatz zum Festival-Trubel“ schaffen soll. Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt, alle anderen Besucher zahlen drei Euro. Tickets sind nur am Eingang erhältlich.

Von Berlin bis Brooklyn, von Hongkong bis Hawaii: Seit mehr als zwanzig Jahren verzaubern die aufblasbaren und begehbaren Skulpturen der Künstlergruppe Architects of Air aus Großbritannien die Besucher. Jeder gibt der bunten Plastikwelt dabei eine andere Bezeichnung: „Raumschiff“, „Luftschloss“, „Kathedrale“ - oder auch „begehbare Gebärmutter“.

Das Luminarium ist nur eine Attraktion im vollgepackten Festivalprogramm: Wie immer lädt der „Markt der Ideen“ mit Schmuck-, Kleidungs- und Essensständen zu einem gemütlichen Bummel ein, im Musikzelt kann man Konzerten von nationalen und internationalen Künstlern lauschen. Karten gibt es etwa noch für die Auftritte von Melody Gardot, Lou Reed und Kim Wilde. Bereits ausverkauft sind die Konzerte von Sunrise Avenue, Hubert von Goisern, The Boss Hoss sowie Schmidbauer & Kälberer. Für den besonderen Tollwood-Zauber sorgen zudem Stelzenläufer, Clowns und Straßenkünstler.

Als Inbegriff des diesjährigen Mottos „Schöne Aussichten“ steht im Eingangsbereich des Festivals im südlichen Olympiapark ein gigantisches Kaleidoskop. Die griechische Bedeutung des Wortes Kaleidoskop steht für „schöne Formen sehen“. Die Besucher können auf eine Empore steigen und durch das gut vier Meter lange Rohr die Kunstwerke des Künstlers Adam Stubley erblicken.

Aber auch die spektakuläre Open-Air-Inszenierung des Wired Aerial Theatre aus Liverpool zeigt „Schöne Aussichten“ - was in diesem Fall jedoch eher ironisch verstanden werden kann. Zuerst spielen die Akteure auf einer normalen Bühne. Im Laufe des Stücks kippt die elf mal elf Meter messende Leinwandbühne jedoch um 90 Grad und macht die Schauspieler zu Akrobaten. Das luftige Spektakel, das bei freiem Eintritt gezeigt wird, hat einen kritischen Hintergrund: Es entstand nach der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 und trägt nicht umsonst den Namen „As the world tipped“, also „Als die Welt kippte“. Die Leinwand zeigt Wirbelstürme und auseinanderdriftende Eisschollen. Die Schauspieler reagieren auf die gezeigten Bilder und kämpfen, auf dem Boden und in der Luft, symbolisch gegen die vom Menschen beeinflussten Veränderungen der Umwelt an. Für die einen mag es nur schöne Luftakrobatik sein, den anderen wollen die Tollwood-Veranstalter zeigen: Die Menschen machen sich durch ihr nachlässiges Handeln zu Marionetten der Natur.

Janina Ventker

Das komplette Programm findet man im Internet: www.tollwood.de.

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