"Man muss Spagat hinkriegen"

Niedecken im tz-Interview: So bleibt BAP geschmeidig

+
Der BAP-Frontmann kommt im Juli mit Band zu Tollwood.

München - Im Juli gastiert Wolfgang Niedecken mit BAP auf dem Tollwood. Die tz sprach mit ihm - über die Band und die Fußball-WM.

Im Jahr 1976 wurde in der BRD die Gurtpflicht eingeführt. Doch man durfte sich noch aus einem anderen Grund anschnallen: Vor 38 Jahren – verdamp lang her – wurde BAP gegründet, die Kölsch­rock-Band, die bis heute dick im Geschäft ist. Von Anfang an ist Wolfgang Niedecken (63) der Kapitän an Bord und letzter Überlebender der Ur-Besetzung, aber die Crew steht. Nachzuhören auf Tollwood – siehe unten. Das Interview:

Herr Niedecken, heute beginnt die Fußball-WM. Wie weit geht’s für unsere Jungs?

Wolfgang Niedecken: Mindestens bis ins Halbfinale. Dann entscheidet die Tagesform zwischen Brasilien, Spanien und uns. Aber auch zuvor wird’s kein Homerun.

Wie wichtig wird das Wetter sein?

Niedecken: Klar sind die Mannschaften im Vorteil, die daran gewöhnt sind. Aber Profis müssen sich auf so etwas einstellen. Ich finde es großartig und mutig von Löw, nach Reus’ Ausfall keinen Stürmer nachnominiert zu haben, sondern an den gelb-rot-gefährdeten Stellen nachzubessern. Vorne haben wir ohnehin Granaten. Und Poldi – in Köln immer noch ein Held – ist riesig drauf.

Heldenstatus haben auch BAP. Wie bleibt man jahrzehntelang im Geschäft?

Niedecken: Indem man immer offen und sensibel für Entwicklungen ist. Man muss geschmeidig bleiben: Wo will die Band hin? Man muss diesen gewissen Spagat hinkriegen.

Welchen Spagat?

Niedecken: Den zwischen dem, was das Publikum am liebsten hört, was sie von einem kennen, und dem Neuen. Das auszupegeln und sich trotzdem immer zu erneuern, ist die Kunst. Das motiviert uns ungemein.

Wie funktioniert das?

Niedecken: Es gibt exzellente Studiomusiker, die das machen, was man ihnen sagt. Das sind die Auftragskiller. Und es gibt andere. Die fragen sich: Wie könnte diese oder jene Idee Gestalt annehmen? Man diskutiert leidenschaftlich und kommt irgendwo zusammen, so dass es allen Spaß macht. Ich habe nie das Gefühl, dass wir auf der Bühne stehen und einer ein bestimmtes Lied nicht spielen will, weil er es hasst.

Gibt’s so etwas?

Niedecken: Natürlich! Tendenziell gilt: Gerade die lustigen Nummern verbrauchen sich am schnellsten. Das ist wie bei einem Witz: Wenn man ihn zu oft erzählt, sollte man mal ein Jahr Pause machen, dann lacht man wieder drüber. Oder es gibt auch Stücke, bei denen ich den Text nicht mehr gut finde und ihn umschreibe.

Ein Beispiel?

Niedecken: Anna. Das habe ich nach der Trennung von meiner Sandkastenliebe geschrieben. Ich war 15, als wir zusammenkamen, mit 26 war Schluss. Der Text war so böse und unverschämt, dass ich den Song nicht mehr singen wollte. Aber die Fans wollten ihn hören, also schrieb ich ihn um. Gott sei Dank funktioniert dieser Instinkt bei mir noch. Jetzt gibt’s ihn in einer FSK-Version, und wir spielen Anna wieder.

Hat sich die Ex-Anna nach der Ursprungsversion mal gemeldet und sich beschwert?

Niedecken: Nein, hat sie nicht. Wir sind zum Glück bis heute gute Freunde.

Die erste Beziehung hielt elf Jahre – überhaupt scheinen Sie ein Mensch zu sein, der sein stabiles Umfeld braucht.

Niedecken: Es gab in meinem Leben eigentlich nur vier Frauen: Anna, Rita – das war eine zweijährige sehr schöne, freundschaftliche Beziehung. Uns war beiden klar, dass das nicht für immer ist –, dann meine Exfrau Carmen, mit der ich zwei erwachsene Söhne habe, und meine jetzige Frau Tina, mit der ich auch schon wieder 20 Jahre verheiratet bin und die mir zwei Töchter geschenkt hat. Ich brauche meinen Heimathafen, und wenn der nicht da ist … Problem! Ich bin sehr gerne unterwegs, aber ich weiß schon genau, wo ich zu Hause bin. Das gilt auch für meine Heimatstadt Köln. Ich könnte an vielen Orten leben, aber Köln wird immer mein Heimathafen sein.

Interview: Matthias Bieber

Am 22. Juli gastiert BAP auf Tollwood. Beginn 19 Uhr, Karten gibt’s unter Tel. 0700 / 38 38 50 42.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Auch interessant

Kommentare