Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega ist tot

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Konzertkritik

Passenger auf dem Tollwood: Famoses Finale

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Dieser unscheinbar wirkende Mann erzählt in seinen Liedern begnadet Geschichten: Passenger in München.

München - Passenger beendet in der ausverkauften Musikarena das Tollwood-Festival. Lesen Sie hier die Kritik.

Wenn ein Lied beispielhaft für das ganze Konzert steht, dann ist das bei Passenger am Sonntagabend auf Tollwood „The Sound of Silence“. Seine Version vom Simon & Garfunkel-Klassiker – zunächst verschleppt, dann krachig opulent, einfach fantastisch.

Auf eine solche emotionale Berg- und Talfahrt nimmt der 31-jährige, weit gereiste Singer-Songwriter sein Publikum eineinhalb Stunden mit. Er flüstert die Wörter mit seiner hohen, aber kraftvollen Micky-Maus-Stimme und voller Hingabe ins Mikro, um dann sich und sein Gitarrenspiel zu steigern, fast wie eine Band zu klingen, sich den Frust von der Seele zu singen („I hate“) und sich später wieder zu beruhigen. Dieser kleine, unscheinbar wirkende bärtige Mann hat viele Gesichter. Er ist ein Geschichtenerzähler, der gehört werden will und dem man mucksmäuschenstill folgt. Ein Träumer. Ein Witzbold. Aber genauso ein Animateur mit großer Präsenz, ohne den Straßenmusiker-Charme zu vergessen.

Vielleicht hat er das alles ja auch erst auf der Straße gelernt, um die Leute zum Stehenbleiben zu bringen. Wer weiß. Das ausverkaufte Tollwood-Zelt bringt er jedenfalls schnell zum Überkochen, und das ganz allein. Ohne weitere Instrumente wie auf CD (aktuell: „Whispers II“) oder kitschige Videos wie noch Ende 2014 im Zenith. Vorteil: Passenger muss auf niemanden Rücksicht nehmen, kann problemlos umtexten, Zwischenbemerkungen in Lieder einschieben. Eine Wucht. Ein famoses Finale des diesjährigen Festivals. Ein Hoch auf handgemachte, ehrliche Musik. Die ganze Geschichte des Engländers, der Mike Rosenberg heißt und in Australien lebt, ist ein Märchen. Jahrelang tingelte er als Straßenmusiker um die Welt, spielte auch im Englischen Garten – bis ihn die Ballade „Let her go“ 2013 an die Spitze der Charts und in Europas große Hallen spülte. Kein Wunder, dass er sich bei dieser steilen Karriere ständig beim Publikum bedankt, am Ende sogar vom „geilsten Konzert seit langem“ spricht. Ein von Künstlern gern gesagter Satz, der in dem Fall nicht ganz gelogen scheint. So respektvoll-lauschend und dann wieder laut klatschend begegnet ihm das Münchner Publikum. Nach dem neuen Lied „Beautiful Birds“ und einem Duett mit seinem australischen Vagabunden-Kumpel Stu Larsen fordert es via Riesenchor von Passenger Zugaben. Und bekommt sie: etwa eine weitere gelungene Coverversion eines Klassikers, Bruce Springsteens „Dancing in the Dark“. Oder als Rausschmeißer die Hitsingle „Holes“.

Marco Mach

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