Konzertkritik

Pet Shop Boys beim Tollwood: Ein Hauch Nostalgie

Bis die Fans in Rage gerieten, dauerte es ein wenig – Neil Tennant musste sich anstrengen. foto: Dorothee falke

München - Wie passt das zusammen? Draußen werden mit Woodstock-Charme Falafel mit Bio-Zertifikat verkauft, drinnen in der halb gefüllten Musik-Arena treten die Pet Shop Boys auf - mit harten Electronic-Beats.

Das Münchner Tollwood-Festival ist Schauplatz vieler Skurrilitäten, und am Mittwoch fanden sogar die beiden Briten einen Platz dort. Nicht nur ihrer Hut-Vorlieben wegen, sondern weil auch sie ein Hauch von Nostalgie umgibt und ihre Klassiker immer noch unschlagbar sind.

Die Pet Shop Boys haben sich schon immer schwer damit getan, ihrer Musik live den gleichen Sog zu verpassen wie auf ihren Platten. Am 15. Juli veröffentlichen Neil Tennant und Chris Lowe ihr 13. Studio-Album „Electric“, und es wird wohl wieder bejubelt werden. Doch live?

Auf dem Tollwood dauert es, bis ihr Charisma die Halle erfüllt. Gut, Lowe muss man ohnehin ausklammern. Der 53-Jährige verschanzt sich wie immer hinter seinem Schutzwall aus Tausenden von Reglern, der aber ironischerweise gerade das Herz der Band darstellt. Neil Tennant dagegen ist präsent, bringt damit Wärme ins Spiel der immer gleichen Tonlage zu den immer gleichen Melodien und verhindert, dass die Performance frostig erscheint.

Oberflächlich betrachtet, wirkt der Auftritt der Pet Shop Boys nämlich trotz Tänzern mit Lampion- oder Stierhörner-Hüten nüchtern, steril gar. Konzentriert man sich aber etwas mehr darauf, dann hört man aus den (Synthie-)Teppichen die gut versteckten Kreativ-Eigenarten heraus, die seit 32 Jahren die Pet Shop Boys im Geschäft halten. Kaum eines der „neueren“ Lieder wird plattengemäß runtergebetet, alle bekommen einen modernen Touch.

Trotzdem vermag all das kein Party-Gute-Laune-Gefühl à la Daft Punk zu vermitteln, das gerade live wichtig ist. Und so sind es die Klassiker wie „It’s A Sin“ (1987) und „Go West“ (1993), die die Massen mitgrölen und sie beschwingt zum nächsten Crèpes-Stand pilgern lassen.

Angelika Mayr

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