Gitarren-Gottvater kann's noch

"Carlos con Carne": Santana tischte heiß auf

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Santana zeigte auch in München, das er es noch kann, wie hier bei einem früheren Konzert.

München - So klingt Tollwoodstock! Mexikos Gitarren-Gottvater Carlos Santana bewies in München, dass er immer noch ein teuflisch scharfes Klanggebräu anrühren kann.

Das Gemisch: Latin-Rock mit Chili, Carlos con carne. Das Tollwood-Zelt war am Donnerstag natürlich ausverkauft, die meisten hatte ihre Luftgitarre mitgebracht, und der Maestro ließ es dampfen. „Heiß wie in Hawaii hier drin“, japste Santana in der Mobil-Sauna auf dem Oberwiesenfeld. Selber schuld, Hombre!

Ein cayennepfeffriges Latin-Medley

Wer nach den weniger glorreichen Alben seit dem 99er-Überflieger „Supernatural“ daran gezweifelt hatte, dass uns Carlos immer noch an der Seele zupft, war nach rund 30 Sekunden eines Besseren belehrt. Ein cayennepfeffriges Latin-Medley zum Auftakt, in das Santana lässig George Harrisons „While My Guitar Gently Weeps“ einstreute – überragend! Feurio!

Gleich danach „Black Magic Woman“ und „Oye Como Va“ – da sang nicht nur die Gitarre des 65-Jährigen, da sang das ganze Zelt. Natürlich ist das alles vorhersehbar, alles nichts Neues, und alles so perfekt durchgestylt wie Santanas Las-Vegas-Shows. Der Cirque du Soleil des Latin-Rock. Aber warum Neues, wenn das Alte noch so gut funktioniert?

München als Mini-Mexico

Für die reifen Fans gibt’s die Heldentaten aus „Abraxas“, für die mittelalten Santanisten den souveränen Flauschpop aus „Supernatural“, von „Maria Maria“ bis „Smooth“. Und zwischendurch Blues oder ein mitreißend wummerndes „Jingo“ mit fauchender Orgel, als Video im Hintergrund der gute alte langhaarige Santana mit Stirnband. Carlos 2013 steht dabei wie gewohnt mit Hut meist am Bühnenrand und genießt. Alle genießen ihn, den Abend der singenden Saiten. München als Mini-Mexiko. Mia San-tana!

Jörg Heinrich

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