Bambus ist geduldig

München - Die erste Tollwood-Premiere „Lang Toi – Mon Village“ ist nicht gerade Hochleistungs-Akrobatik, sorgt aber für viele magische Momente, auch dank der Live-Musik.

Der tollwütigste aller Tollwood-Auftakte war Lang Toi – Mon Village nun nicht gerade. Hochleistungs- Akrobatik, Turbo-Tempo, Soundgewitter? Alles Fehlanzeige. Der National Circus of Vietnam erzählt eine mehr oder weniger ruhige Geschichte rund ums Häuslebauen in Fernost. Das heißt: Bambus statt Beton. Der ist bekanntlich biegsam und passt zu den Körpern der rund 20 Darsteller. Und so wird die Bühne fleißig beackert, bei der Arbeit gesungen, auf Stangen balanciert, werden Zelte geformt und beturnt.

Nichts für, sagen wir, Fans von Bruce-Lee- Akrobatik. Aber alle anderen werden während des 75-Minüters immer wieder magische Momente erleben. Weil die Poesie nicht zu kurz kommt, weil sich das Stück unaufdringlich, aber schön rundet – und, größtes Plus, selten Musik, Beleuchtung und Aktion so herrlich Hand in Hand gehen.

Dafür sorgen fünf Musiker, die auf insgesamt 16 (!) traditionellen Instrumenten vietnamesische Volksmusik spielen, von zart bis hart, ohne sich anzubiedern. Man hat Muße, nimmt auch Längen in Kauf. Bambus ist geduldig.

Die schönste Szene ist eine zunächst unscheinbare Jonglage mit drei Gegenständen. Plötzlich werfen die Musiker rhythmische Synkopen ein, und auf die Zehntel genau reagiert der Jongleur mit Bewegungen – bis sich das Ganze witzig und pointiert zum Höhepunkt steigert.

Wir empfehlen Ihnen, Mon Village anzuschauen und eine hochpreisige Karte zu kaufen (34,35 Euro), damit Sie alles sehen. Ausdrücklich nicht empfehlen wir Ihnen das Menü zur Magie. Der rote und weiße Bio- Wein ist sauer, macht aber noch lange nicht lustig. Der Terrinenspitz ist fad, das Weiderind- Roastbeef nicht nur zart. Die Kartoffel- Buchtel ist an Trockenheit und Langeweile kaum zu überbieten. Schade um die Show.

Matthias Bieber

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