Tollwood

So war die "Cirkopolis"-Premiere des Cirque Éloize

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Der kanadische Cirque Éloize feierte auf dem Tollwood Premiere.

München -  Der kanadische Cirque Éloize hat mit seinem Programm Cirkopolis im Grand Chapiteau Premiere gefeiert - und zieht die Zuschauer auf dem Tollwood in ihre kleine Zirkuswelt.

Der Pas de Six beginnt mit einem Sprung in zwölf starke Arme. Alexie Maheu tanzt, getragen von fünf Männern, und berührt den Boden nicht mehr. Langsam geht sie in den Spagat, die Männer halten ihre Beine, als seien sie das Kostbarste in dieser kleinen Zirkuswelt. 

Und das sind sie auch in dieser kleinen Zirkuswelt. Auf der grauen Bühne bauen die Männer Pyramiden, an deren Spitze die Tänzerin im lila Kleid thront, wirbeln sie an den Füßen über die Bühne und bauen eine Brücke für sie – zwei starke Männerhände umfassen einen Fuß. Schritt für Schritt geht’s so in die nächsten Männerhände. Dann bilden sie mit Rücken und Schultern eine Treppe für die Schönheit. Hier wird eine Frau in ihrer ganzen Anmut gefeiert! 

Jetzt hat der kanadische Cirque Éloize mit seinem Programm Cirkopolis im Grand Chapiteau Premiere gefeiert. Die Zirkustruppe aus Montreal bewegt sich mit ihrer Nouveau-Cirque-Show zwischen Akrobatik, Zirkus, Tanz und Theater. Die düstere Bühne, in der gigantische Zahnräder ineinandergreifen, hat Robert Masicottes an die zukunftspessimistische Groteske Brazil und den Stummfilmklassiker Metropolis angelehnt. 

Graue Männer stapeln staubige Aktenberge, höher und höher und höher. So grau wie die Anzüge der Artisten ist auch die Atmosphäre, die Regisseur Jeannot Painchaud und Choreograf Dave Saint-Pierre geschaffen haben. So fällt es zu Beginn schwer, in das Programm hineinzukommen: Technomusik, die an das Arbeiten von Maschinen erinnert, marschierende Artisten, deren sich wiederholende Bewegungen jede Leichtigkeit vermissen lassen.

Inmitten des kafkaesk anmutenden Büroalltags und all der Überforderung beginnt der kleine Angestellte zu träumen. Zuerst noch in der Welt des Büros, wo der Drehstuhl zu tanzen beginnt und die Kollegen auf dem Schreibtisch jonglieren. Aus einem der grauen Männer (wer will, darf an Momo denken) schält sich unter dem Trenchcoat Nora Zoller im roten Kleid hervor, die mit einem Reifen wirbelt und flirtet. Leichter Schwindel ist schon beim Zuschauen garantiert. 

Spannend sind die neuen Interpretationen von Zirkusklassikern wie Trapez: Hier ist’s ein Würfel mit vier Stangen zum Turnen, die lustvoll von einem Artisten genutzt werden. Das Rhönrad wird von sechs Männern bespielt, die zeitweise alle gemeinsam im Hamsterrad laufen. Oder sie übersetzen die Bewegungen eines Artisten im Rad in ähnliche Bewegungsmuster auf der Bühne. Berührend auch der Clown, der sich seine Liebste durch ein Kleid erträumt. Je tiefer die Artisten in die surreale Traumwelt eintauchen, desto farbenfroher und energetischer wird sie. Zu flirrender Musik springen die Artisten vom Aktenschrank auf das Schleuderbrett, der Bühnenboden ist mit bunten Aktenblättern übersät: Der Tagtraum ist Realität geworden.

Jens Menrad

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