Tollwood-Konzertkritik

Katie Melua: Bloß nicht stören

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Katie Melua in Aktion

München - Katie Melua hat ein unglaubliches Talent, keine Frage. Sie hat ein enormes Repertoire, das von Pop bis Folk und Blues reicht, eine sehr liebliche, mädchenhafte, glasklare Sopran-Stimme. Eine Konzertkritik.

Sie macht die Art von Musik, die Mann gerne auflegt, wenn die Schwiegereltern kommen: Musik, die für eine wohlige Stimmung sorgt, von gutem Geschmack zeugt und so geschmeidig, leicht und flüchtig daherkommt, dass sie nicht beim Abendessen stört. Mit anderen Worten: Musik, die live und ohne Orchester nur schwer zu verkaufen ist, gerade, wenn die Künstlerin nicht für etwas Tempo sorgt oder zumindest für Abwechslung.

Tempo oder Abwechslung - genau das aber bietet die im georgischen Tiflis geborene Katie Melua am Mittwochabend in der ausverkauften Gehrlicher Musik-Arena auf dem Münchner Tollwood nicht. Die 27 Jahre junge Britin betritt die Bühne in einer schwarzen Lederhose und einem irgendwie zum Umhang umfunktionierten Bettlaken. Sie ist dezent geschminkt, bedankt sich jedes Mal artig, lächelt freundlich, erzählt, dass sie so gerne an einen der Münchner Seen gefahren wäre, wenn denn das Wetter mitgespielt hätte.

Doch schon nach wenigen Stücken wird klar: Das Konzert mag künstlerisch spitze sein und sie auch noch so charmant – es reißt einen nicht mit. Katie Melua spielt ihr Programm zu routiniert herunter, von dem Titelstück ihres neuen Albums, „Sweet Symphony“, bis zum vielleicht schönsten Lied des Abends, „I Cried For You“, das sie am Ende der Zugaben singt, nur von ihrer Violinistin begleitet. Es ist nun nicht so, dass dieser Auftritt keine starken Momente hätte, im Gegenteil: Wenn Katie Melua ihre kraftvolle Stimme endlich einsetzt zu John Mayalls Blues-Song „Crawling Up A Hill“, wenn sie die Verführerin gibt in „A Moment of Madness“ oder selbst zur E-Gitarre greift und bei „If The Lights Go Out“ an die US-Country-Größe Jewel erinnert. Doch sobald etwas Stimmung aufkommt, folgt ein ruhiges Stück. Als wolle Katie Melua alles, bloß eines nicht: stören.

Thierry Backes

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