Die Zauderflöte

Licht und Schatten beim Marimba-Mozart

Ayanda Tikolo als Sarastro: heil’ge Hallen, dünne Tiefen

München - So fad und betulich die erste Tollwood-Premiere auch begonnen hatte: Im zweiten Akt nahm diese ganz eigene Zauberflöte gehörig Fahrt auf.

Ab und zu passiert so was: In der Pause will man am liebsten flüchten (wie es zwei unserer Nachbarn tatsächlich getan haben) – und dann hätte man das bereut. So fad und betulich die erste Tollwood-Premiere auch begonnen hatte: Im zweiten Akt nahm diese ganz eigene Zauberflöte gehörig Fahrt auf.

Weil sich das südafrikanische Ensemble Impempe Yomlingo mehr traute, Mozarts aufgeklärtes Spätwerk aufbrach, eigene Traditionen stärker einbezog. Und so kam wirklich so was wie Zauber in den Zauder der ersten Hälfte. Eines der schönsten Stücke Musik, der den zweiten Akt eröffnende Priestermarsch, wird angereichert mit südafrikanischen Chören, markerschütternden Gellrufen – und es klappt! Mozart hält tatsächlich alles aus – außer Langeweile.

Womit wir wieder beim Anfang wären. Weil allein Marimba-Sound, gewürzt mit Percussion und einigen Sanges-Einlagen (das alles kann natürlich Mozarts Streicher- und Bläsermagie nicht im Ansatz kompensieren), schnell ausgenudelt wirken. Weil viel zu unpräzise gewerkelt wurde. Die Marimba-Combo muss da einfach an Exaktheit zulegen, um das rhythmische Feuer, die Energie rüberzubringen. Und auch bei den Sängern – Tollwoods Ehrgeiz, immer etwas ganz Eigenes auf die Beine zu stellen, in Ehren: Da sollte man schon drauf achten, dass man mehr Qualität erhält. Wenn beim Sarastro (Ayanda Tikolo) die himmlisch-höllischen Tiefen in heißer Luft verenden, wird es schwierig. Wenn die Königin der Nacht (Pauline Malefane) zwar halbwegs in die Schwindelhöhen aufsteigt, aber ansonsten Intonation eher als lästiges Beiwerk empfindet und so gar kein Organ hat, dann nimmt man ihr die zu Tode verletzte verzweifelte Mutter in etwa so ab wie Mozart Monogamie.

Genug gemäkelt: Wie gesagt, nach der Pause klappt der Spagat zwischen Wien und Südafrika viel besser. Und sieht man mal von einer ziemlich fragwürdigen Streichung ab (die große Pamina-Arie), hat das Ganze auch Zug. Gesungen wird übrigens angeblich auf Englisch.

Matthias Bieber

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