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Pleiten, Pech & Pfannen

Vor Tollwood-Premiere: Starkoch Otto Koch über Küchenschnitzer

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Der Münchner Sternekoch Otto Koch erinnert sich in der tz an witzige Pannen seiner tollen Karriere. Anlass: Auf Tollwood läuft ab Donnerstag „Copacabana“ der katalanischen Gruppe Ponten Pie, wo’s um Missgeschicke in der Küche geht.

München - Wer in der Küche steht – nicht, um kluge Ratschläge zu geben, sondern um selbst zu kochen –, der weiß: Da kann schon mal einiges schiefgehen.

Doch trösten Sie sich: Erstens erfahren Sie ab Donnerstag auf Tollwood, dass man das auch humorig sehen kann. Und zweitens erfahren Sie hier, dass Malheurs auch Sterneköchen passieren. Wie Otto Koch (66), der zuletzt sein Restaurant im Olympiaturm hatte. In der tz erinnert er sich launig an einige Kostproben seiner Missgeschicke. Kochs Koch-Blüten:

Das müde Soufflé

Ich hatte damals schon ein paar Jahre meiner Kochsendung ARD Buffet auf dem Buckel, sonst hätte mich folgende Situation wohl paralysiert: Ich sollte ein Soufflé vorbereiten, was bei der Probe in der vorgegebenen Zeit klappte. Beim Live-Kochen allerdings merke ich zehn Minuten vor Ende der Sendung: Das Ding geht im Ofen nicht hoch! Der Grund: Der Herd heizte nur 100 Grad, da war eine Phase ausgefallen. Ich rief den Aufnahmeleiter: „Hilf mir!“ Und er: „Ich hab keine Zeit, mach deine Sendung …“

Mein Hirn begann zu rattern: Ich brauche einen zweiten Herd, einen Elektriker oder gar eine Mikrowelle. Ich war plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, der einsamste Mensch auf der Welt. Die Zeit galoppierte. Die echten Optionen waren also: Erstens hebe ich das Soufflé aus dem Ofen und lasse es „zufällig“ runterfallen. Öha, liebes Publikum, jetzt ist ein Malheur passiert, so nach dem Motto. Oder zweitens präsentiere ich das unfertige Soufflé und kläre auf, dass man den Ofen vor Back-Aktionen kontrollieren sollte. Ich wählte Lösung zwei.

Der Tintenfisch mit den Dings

Kennen Sie dieses Schwarze Loch im Hirn, das urplötzlich auftaucht und jeden Gedanken vernichtet? Ich hielt, ebenfalls in meiner ARD-Kochsendung, einen Tintenfisch in die Höhe und wollte die Tentakel erklären. Doch aus meinem Mund kam nur „äh… äh…“ – mir fiel das Wort einfach nicht ein. Ich stand da mit dem blöden Ding, und nichts ging mehr. Danach habe ich mindestens 30 SMS bekommen, darunter von einem meiner Köche: „Des ­hoaßt fei Tentakel“, stand drin.

Der Hühnerbrustschnitzer

Vor ungefähr 15 Jahren habe ich im tunesischen Djerba zur Eröffnung eines Nobel-Clubs gekocht. Als Hauptgericht für 200 geladene Gäste sollten es Rebhühner sein. Da ich Afrika-erfahren war, sagte ich: „Bestell noch 200 Perlhühner dazu, falls die Rebhühner aus irgendwelchen Gründen nicht kommen.“ Einen Tag vorher reiste ich an: „Sind die Rebhühner da?“ Antwort: „Nein.“ Ich: „Gut, dass wir auch Perlhühner bestellt haben.“ Antwort: „Die sind auch nicht da.“

Ich war ein bisserl unter Druck. Die Lösung: Wir nahmen Hühner. Mit einem kleinen Schabmesser schnitzte ich aus den Brüsten perlhuhnkleine Brüstchen, legte sie über Nacht in Rotwein ein, am folgenden Tag wurden sie gewürzt und in Butter rausgebraten. Die Gäste waren begeistert. „So ein zartes Exemplar haben wir noch nie gegessen“, sagten etliche.

Der Schlüsselanhänger

Auch eine Geschichte aus Afrika und wesensverwandt zur vorhergehenden: Im Jahr darauf sollte ich in Ägypten zur Hoteleröffnung kochen. Der Präsident wollte etwas Einheimisches und Exquisites. Ich schlug ihm als Vorspeise vor: Wir bauen Nil-Bötchen aus Taubenbrüstchen, dazu Gänseleber, grüner Spargel als Ruder, alles mit Blattgold überzogen. Der Hotelchef war begeistert, und wir bestellten Taubenbrüstchen für 250 Gäste. Was kam? Ein Schüsselchen. Mit Ringeltaubenbrüstchen, die beim Braten so groß und dünn werden wie ein Markstück. Und zäh wie Leder. Unbrauchbar. Und wieder griff ich zum Schnitzwerk und bereitete aus Hühnerbrüsten Taubenbrüstchen. Ein Ringeltaubenbrüstchen habe ich übrigens als Schlüsselanhänger mitgenommen. Zur Erinnerung.

Im Woid is koid …

Ich war engagiert, um in einem Waldstück eine Hochzeit kulinarisch zu begleiten. Mit Kaffee, Tee, Kuchen. Wir hatten auch alles dabei – aber den Herd nicht kontrolliert. Mit dem Ergebnis, dass er nicht funktionierte. Wir drehten also das Heizgebläse im Zelt – es war zapfig kalt im Wald – einfach um und heizten das Wasser für Tee und Kaffee so lange, bis es gekocht hat.

Ponten Pie: „Copacabana“, vom 9. bis 19. im Tollwood-Theaterzelt, Karten unter Tel. 54 81 81 81.

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