Nervenprobe für Anwohner

Tollwood sorgt für Strafzettel-Flut

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„Bitte nehmen Sie Rücksicht“: Mit solchen Schildern wurde zumindest das Wohngebiet zum Parken für die Anwohner reserviert.

München - Verkehrschaos am Ackermannbogen: Festival-Anwohner finden keine Parkplätze – und beklagen sich über Polizeikontrollen.

Das Tollwood-Sommerfestival ist vorbei. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen bei den einen – und eine Menge Strafzettel bei den anderen. So jedenfalls sehen es viele Anwohner am Ackermannbogen. Für die Dauer des Festivals ist ihr Viertel chronisch zugeparkt. Das ist aber nur ein Grund des Ärgers. Beschwerden gab es vor allem über die Polizei, die in dieser Zeit vermehrt Streife fuhr.

Walter Ross, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion 43 Olympiapark, kann das nicht nachvollziehen. Gegenüber den Mitgliedern des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-West räumte er zwar ein, dass sich die Anwohner dieses Jahr „auffällig“ oft über die Polizeistreifen geärgert hätten. Gleichzeitig wisse er aber nicht, wie er den Einsatz der Polizei anders hätte regeln können. Viele hätten für die „Überprüfung der Anliegereigenschaft“ kein Verständnis gehabt, man sei sogar der „Beutelschneiderei“ bezichtigt worden.

Abhängen an lauen Abenden: Das Sommer-Tollwood zieht immer Mengen an Besuchern an – von denen viele mit dem Auto kommen.

Dieser Meinung ist allerdings auch BA-Mitglied Markus Meiler (CSU). Nachdem die Polizei ihre Strafzettel erst mitten in der Nacht verteile, treffe diese Maßnahme nur noch die Anwohner, die nicht mehr anders hätten parken können. Die Tollwood-Gäste seien da längst schon wieder weg. Als Beweis zeigte er dem Beamten ein Foto vom Auto seines Nachbarn, der hinter der Windschutzscheibe die Strafzettel der letzten Nächte gestapelt und daneben eine Nachricht an die Streifenwagenbesatzung geschrieben hatte: „Als Anwohner macht Tollwood keinen Spaß! Park’ gerne nach 23 Uhr mein Fahrzeug um.“

Walter Ross beteuerte, die Streifenwagen seien rund um die Uhr im Einsatz gewesen, und warb um Verständnis für die Maßnahmen. Das Parkproblem gebe es zwar, seit es das Tollwood gebe. Aber durch die Bebauung am Ackermannbogen habe sich die Situation merklich zugespitzt. Zur Festivalzeit nur Anwohnern das Parken in dem Wohngebiet zu erlauben, sei das einzige, was man für die Anlieger machen könne. Und letztlich auch die Lösung, die man zusammen mit KVR und Festival-Verantwortlichen erarbeitet habe. Entsprechende Schilder wurden für die Dauer des Festivals an den Straßenenden aufgestellt, und stichpunktartig wurden dort auch Beamte zur Kontrolle postiert. Eine dauerhafte Überwachung seitens der Polizei sei aber nicht möglich, hieß es.

Einwände aus den Reihen der BA-Mitglieder, die Ausschilderung für das Sommer-Tollwood sei viel zu spät erfolgt, wollten weder Kreisverwaltungsreferat (KVR) noch Festival-Leitung gelten lassen. Das KVR machte gegenüber unserer Zeitung deutlich, dass sich die Stadt hier nicht in der Verantwortung sehe. Bei solchen Veranstaltungen gebe es keine Auflagen. Die Verantwortlichen hätten im Vorfeld explizit auf die katastrophale Parksituation vor Ort hingewiesen und die Besucher gebeten, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Mehr könne man nicht tun.

Dieser Meinung ist auch Christiane Stenzel, Leiterin der Presseabteilung des Tollwood. Durch die Sonderbuslinie 99 komme man von verschiedenen U-Bahn-Stationen direkt zum Festival-Eingang. Immer und überall würden Besucher aufgefordert, nicht mit dem Auto anzureisen. Auch eine Ausschilderung sei rechtzeitig in der Umgebung des Festival-Geländes erfolgt.

Bitteres Fazit: Eine Lösung des Problems ist auch für kommendes Jahr noch nicht in Sicht. So wird wohl das Sommerfestival 2015, das vom 25. Juni bis zum 19. Juli stattfinden wird, wieder zur Nervenprobe für Anwohner mit Auto.

Margot Deny

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