Konzertkritik

Tom Jones beim Tollwood mit Unterwäsche beworfen

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Tom Jones, hier beim Tourauftakt in Frankfurt.

München - Bei Tom-Jones-Konzerten ist es nichts Neues, und natürlich gehörte es auch bei seinem Tollwood-Auftritt dazu, dass der Oldie mit Unterwäsche beworfen wurde: die Konzertkritik.

Wenn das Tollwood-Zelt dampft – dann bleibt nur eines, um sich abzukühlen: Unterwäsche ausziehen, und Tom Jones damit bewerfen! Beim umjubelten Konzert in der ausverkauften Arena flogen die Höschen tief wie eh und je. Entscheidender Unterschied: Die Ladies vor der Bühne nehmen das Textilbombardement nicht mehr restlos ernst, und Sir Tom Jones schon gar nicht. Mit fabelhafter Selbstironie und brillanter Musik sorgte der Waliser Groß-Entertainer für ein absolutes Tollwood-Highlight.

2006 hat die Queen Tom Jones geadelt, und auch im Buckingham Palace darf er bisweilen musizieren. Nun ist kaum ein größerer Gegensatz zwischen dem Palast und dem Tollwood-Zelt im Tropensommer denkbar. Elizabeth wäre not amused, wenn ihr der königliche Schweiß in Strömen über den royalen Body rinnt.

Doch die Legende beweist von Anfang an: „Me and Mr. Jones“, das passt überall! Der 75-Jährige kommt nicht auf die Bühne, wie Otto Normalsänger, er erscheint. Blaues Sakko, weiße Haare, bestens bei Stimme – und mit einer Band gesegnet, die alles spielen kann, Soul, Country, Gospel, Rock. Mit „Burning Hell“ von John Lee Hooker legt er los. Und macht klar: Dieser Abend wird höllisch gut. Der Tiger tigert über die Bühne wie ein altes Raubtiermännchen, bewegt sich sparsam – doch niemand zweifelt, wer hier im Käfig das Sagen hat.

Wichtigstes Wort des Abends ist: Klasse! Alles verströmt Klasse, was Sir Thomas Jones auf die Bühne bringt. Die Musikauswahl, von Randy Newman („Mama Told Me Not To Come“) bis Johnny Darrell („Green, Green Grass Of Home“) ist vorzüglich. Die eigenen Klassiker von „Delilah“ bis „It's Not Unusual“ klingen nach dem Süden, entspannt, schwüle Latin-Dramen, die perfekt in diese drückenden Sommertage passen. Die „Sexbomb“ beginnt mit halbem Tempo, als Schleicher, als Spätzünder, und explodiert dann doch noch. Tom Jones macht meisterlich vor, wie man solche Songs mit 75 singt, wie man in Würde älter wird – und wie man würdig schwitzt.

Erst beim Strip-Hit „You Can Leave Your Hat On“ fällt das patschnasse blaue Sakko, was die Höschen-Damen endgültig um den Verstand bringt. Aber so ist das Leben: Unsereins schwitzt, Tom Jones transpiriert mit Grandezza. Das war großartig, und zwar Sir!

Jörg Heinrich

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