Konzertkritik

Perfekte Inszenierung: Unheilig auf dem Tollwood

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Unheilig-Sänger Der Graf (Archivfoto)

München - Es war die perfekte Inszenierung. Kein Kratzer auf der Graf'schen Stimme, kein Schnaufer war durchs Mikro zu vernehmen: Die Konzertkritik zu Unheilig auf dem Tollwood.

Fans können grausam sein. Manchmal lassen sie den Künstler am Konzertende partout nicht von der Bühne verschwinden – auch wenn der fix und alle und das weiße Hemd triefend nassgeschwitzt ist. Der Graf von Unheilig musste am Samstag in der ausverkauften Musik-Arena auf dem ­Tollwood leiden. Doch genauso wahnsinnig nett, wie er diese Ehre entgegennahm, war das Konzert und seine endgültige Verabschiedung.

Es war die perfekte Inszenierung. Kein Kratzer auf der Graf’schen Stimme, kein Schnaufer war durchs Mikro zu vernehmen. Gitarre, Piano und Schlagzeug klangen genau so wie auf den jüngsten beiden Platten. Doch wenn eh alle das Alt-Bekannte wollen, warum dann diesen Stil variieren? Schließlich sind die neuen Lieder – also seit der Große-Freiheit-Platte – prima dafür geeignet, dass jeder für sich etwas Persönliches hineininterpretieren kann. Und so kullerten bei So wie du warst denn auch dezent Tränchen.

Dass jedoch kaum einer die Lieder aus längst vergangenen Unheilig-Tagen kannte, war bezeichnend. Der Graf hat sich gewandelt, und seine Fans mit ihm. Nun singt er für die Generation 45-Plus, nun darf sein mittlerweile radiotauglicher Gothic-Pop mitreißend werden. Und so wurde er nach einer Aufwärmphase zur „Dancemaschine“, durchbrach das Korsett mit Esprit und Humor. Ein beschaulicher Sommer-Konzertabend also, an dem Düsternis keinen Platz mehr hat.

Angelika Mayr

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