Rock'n'Roll ist tot? Von wegen!

Bei Wanda fließt der Schweiß: Die Konzertkritik vom Tollwood

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Marco Michael Wanda, Sänger der österreichischen Band Wanda.

Die Band Wanda aus Österreich ließ im seit Monaten ausverkauften Tollwood-Tropenhitze-Zelt am Donnerstagabend literweise Schweiß fließen.

Der Rock'n'Roll ist tot – oder tourt allenfalls noch mit Alt-Herren-Bands auf Revival-Tour? Von wegen: Er ist wiederauferstanden aus einem Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof, nannte sich nach einer abgewrackten Prostituierten Wanda – und ließ im seit Monaten ausverkauften Tollwood-Tropenhitze-Zelt am Donnerstagabend literweise Schweiß fließen.

Um es kurz zu machen: Wanda lieferte ein großartiges Konzert! Was auch der eingeschworenen Münchner Fangemeinde zu verdanken ist, die wie Fischer-Chöre auf Speed jeden einzelnen Songtext mitsang, so dass die Band auf der Bühne eigentlich fast schon überflüssig wurde. Wanda-Frontmann Michael Marco Fitzthum muss nur stumm mit seinen Fingern abzählen, schon schallt es aus dem Publikum zurück: „Oins, zwoi, drei vier – es ist so schee bei Dir!“ Zum echten Rockstar gehört die Selbstzerstörung: Fitzthum pflegt sein Alki-Image – mit einem Schluck Jägermeister klingt sein Hohelied auf den „Schnaps“ gleich noch viel authentischer. In diesen Ayurveda-Gesundheitsfanatiker-Zeiten ist es aber schon leichter als in den 68-er-Jahren, den bösen Buben zu geben. Da raucht schon eine auf offener Bühne gerauchte Zigarette…

Aber dass der Rock'n'Roll immer noch auch eine politisch-subversive Kraft hat, das machte die Vorband deutlich: Kent Coda, eine österreichisch-türkische Indie-Band, sang – mit Unterstützung der Austro-Rock-Stars – Wandas Bologna auf Türkisch. Und Sänger Ögünç Kardelen erklärte zum politischen Horror in der Türkei: „Jetzt müssen wir erst recht singen und tanzen!“ Und Wanda-Sänger Fitzthum gab ihm Recht: „Es is Wurst, wie ihr betet oder liebt – feiert das Leben!“ Wandastisch.

Klaus Rimpel

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