Kim Wilde entspannt auf dem Tollwood

München - Mehr mild als wild: Achtziger-Göttin Kim Wilde war vor 30 Jahren die Brigitte Bardot des Pop. Heute ist sie Englands musikalischste Landschaftsgärtnerin - und gab sich entspannt auf dem Tollwood. Die Kritik:

Kim Wilde schreibt Bücher à la „Garteln mit Kindern“ und wirkt im Fernsehen als eine Art Tine Wittler für Blumen, nur dünner. Im nicht ausverkauften Münchner Tollwood-Zelt grub die Doppel-Mama manches Hit-Röschen aus tiefer Vergangenheit aus. Und siehe: Da blüht noch was!

Immer noch hübsch, die Tante Kimberley, die mit Nichte Scarlett als Chorsängerin und Bruder Ricky, der sie einst als Star erfand, auf der Bühne steht. Schwarzes Outfit, wippende blonde Locken, von der Windmaschine perfekt inszeniert – 36 würde man ihr geben, aus der Distanz. In Wahrheit sind es 15 Jährchen mehr.

Die messerscharfe Wave-Stimme, die Kim-typischen „Huhuhu“-Chöre – alles noch da. Die Songs vom eher überflüssigen aktuellen Cover-Album, mit Hits von Erasure bis Bonnie Tyler, übersteht man gut. Und die alten Prachtstücke, „View From A Bridge“ oder, hach, das herrliche „You Came“ sind immer noch feiner Mitsing-Pop. Das Schönste aber: Wilde wirkt so entspannt und fröhlich wie kaum eine ihrer Pop-Altersgenossen. Sie müsste sich den Zirkus wohl längst nicht mehr antun, tut’s aber, weil’s Spaß macht, ihr und den Fans.

Jörg Heinrich

Rubriklistenbild: © dpa

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