Musiker und Wort-Verdreher

Willy will’s wissen – jetzt wieder witzig

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Musiker und Wort-Verdreher mit Pfiff: Willy Astor (53) gab im Lustspielhaus schon mal eine kleine Kostprobe aus „Reim Time“.

München - Willy Astor hat ein neues Album produziert und bringt viele Fans wieder zum Lachen. Im Interview spricht er darüber und woher seine Ideen kommen.

Zwei Wochen, erzählt Willy Astor (53), hat er sich nun endlich mal Urlaub gegönnt. Dementsprechend entspannt ging er am Dienstag ins Lustspielhaus, um aus seinem neuen Album Reim Time ein paar Kostproben zu geben – am 16. Juli gastiert er damit öffentlich auf Tollwood. Willy will’s wissen, diesmal wieder einmal von seiner humorvoll-vertrackten Reimseite, die so viele Fans zum Lachen bringt.

Und das wird dem gebürtigen Münchner mit der neuen Scheibe, mit seiner Musik und seinen Texten garantiert wieder trefflich gelingen. Doch wie arbeitet Astor eigentlich? Erinnert tatsächlich ein bisserl an Beethoven. Lesen Sie selbst:

Herr Astor, arbeiten Sie nach festem Stundenplan, oder ist alles eher so chaotisch?

Willy Astor: Sagen wir so: Deadlines können nicht schaden. Deadlines sind keine Kreativitäts-Verhinderer, wobei ich nie auf Halde produziere. Ich schreibe immer nur, wenn ich auf etwas Lust habe. Ich muss, noch ein Anglizismus, „reinfloaten“, in Schwung kommen. Bis zum endgültigen Ergebnis kann es eine schwierige Geburt werden – wenn man die Gedanken und Ideen in Form bringen muss.

Wo kommen die Ideen her?

Astor: Vieles habe ich aus alten Skizzenbüchern, meinen Ideenbüchern. Die führe ich schon seit Anfang meiner jetzt 30-jährigen Karriere. Die Bücher forste ich immer wieder durch, und manchmal genügen schon zwei, drei Wörter, dass sie mich anspringen. Da stehen so viele unvollendete Perlen drinnen … Diese Ideenbücher sind äußerst wichtig für mich, weil ich sehr schlecht strukturiert bin. Mein Schreibtisch, mein Computer – da ist Chaos Trumpf. Aber ich weiß immerhin, wo ich was finden kann.

Können Sie sich an Ihr erstes Ideenbuch erinnern?

Astor: Das hat mir eine Ex-Freundin, die Uli, vor 30 Jahren geschenkt. Es war dick, schwarz, und drauf stand „Protocollo“. In dem Buch – und in allen späteren – steht alles drin, was der Geist so ausspuckt.

Wenn Sie sich zwischen Wort und Musik entscheiden müssten – was wäre es?

Astor: Dann wäre es die Musik. Denn damit kann man Traurigkeit besser verarbeiten, und das müsste ich, wenn ich nichts mehr Lustiges schreiben dürfte. Musik ist meine Muttermilch, und ein Instrument ein Freund und Wegbegleiter, der einen niemals im Stich lässt.

Kann man lustige Sachen ­schreiben, wenn man keine traurig-ernste Seite hat?

Astor: Nein. Humor braucht einen ernsthaften Körper. Denn nur durch ernsthafte Beleuchtung kann man ja empfinden, ob etwas lustig ist. Und dann kommt dieser spannendste aller Momente …

Der da wäre?

Astor: Die Leute und auch mich selbst ins kalte Wasser zu schmeißen, wenn man zum ersten Mal eine neue Nummer auf die Bühne bringt. Und dann schaut, ob sie funktioniert.

Matthias Bieber

Willy Astors neues Album Reim Time ist jetzt im Handel (erschienen bei F.A.M.E.), auf Tollwood gastiert der Künstler am 16.7.

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