München unter dem Himmel von Paris

Ein Phänomen! Zaz in der Tollwood-Sauna - Konzertkritik

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Zaz begeisterte die Tollwood-Besucher.

München - Zaz ist ein Phänomen! Das zeigte sich auch bei ihrem Auftritt beim Tollwood. Auf Dauer konnte keiner im Zelt sich dem Charme dieser Frau entziehen: die Konzertkritik.

Sie ist die temperamentvolle Wildkatze, die dem Publikum im ausverkauften Tollwood-Zelt die Zähne zeigt. Sie ist die Grande Dame im Paillettenkleid, die sich die Hand küssen lässt. Und Zaz ist das niedliche Mädchen, das das Öko-Märchen erzählt vom kleinen Kolibri, der wenigstens versucht, etwas zu bewirken - auch wenn es noch so hoffnungslos erscheint.

Kurz: Zaz ist ein Phänomen! Natürlich hasst sie die überstrapazierten Vergleiche mit Edith Piaf – aber wenn sie mit ihrer herb-schönen, leicht kratzigen, aber in den Höhen so klaren Stimme „Sous le ciel de Paris“ singt, provoziert sie diesen Vergleich mit der Chanson-Ikone selbst. Allerdings ist diese Isabelle Geoffroy, die unter dem Künstlernamen Zaz zum Weltstar wurde, eine Piaf auf Speed, die herumhüpft, wie ein Schachtelteufelchen, wild die Schatten trommelt und ihre (großartigen) Musiker umtanzt.

Ihre jüngste CD, die den Schwerpunkt des Münchner Konzerts bildete, ist eine Hommage an jenes Paris, das schon Piaf in ihren Chansons feierte. Aznavours „Champs-Elysee“, Porters „I love Paris“, Jacques Dutroncs „Paris s’éveille“ - wenn Zaz diese Klassiker singt, klingen sie frisch als wären sie gerade erst komponiert worden. Dabei verzichtet sie auf künstliche Modernisierung– zeitgemäß werden diese Großstadt-Hymnen schon allein dadurch, weil sie von der Sehnsucht nach dem guten, alten Paris vor dem Charlie-Hebdo-Terror und der französischen Wirtschaftskrise künden.

In der Tollwood-Sauna war es (mal wieder) so heiß, dass Zaz am Anfang des Konzerts noch Mühe hatte, das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen zu bewegen. Doch auf Dauer konnte keiner im Zelt sich dem Charme dieser Frau entziehen. Nach drei Kleider-Wechseln (erst das kleine Schwarze, dann ein gelbes Sommerkleidchen, schließlich das lange, elegante Paillettenkleid), schweißtreibendem Einsatz ihrer mit Gypsy-Jazz à la Django Reinhardt und Big-Band-Sound brillierenden Band kam der Höhepunkt: Ihr vom Publikum heiß ersehnter Hit „Je veux“ erklang als Zugabe – und München lag für ein paar Minuten unter dem Himmel von Paris.

Klaus Rimpel

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