tz-Kommentar zum Olympia-Aus

Ja dann lass' ma's bleiben

+
tz-Lokalchef Stefan Dorner

München - Ein Nein für Olympia, und das vierfach! tz-Lokalchef Stefan Dorner analysiert in seinem Kommentar das klare Votum gegen eine Bewerbung 2022.

Die Bürger haben gesprochen – und die Bürger haben in einer nicht zu erwartenden Deutlichkeit gesagt: Wir mögen diese Olympischen Spiele nicht! Sowohl in München als auch in den Partnerorten Garmisch-Partenkirchen, Berchtesgaden und Traunstein waren deutlich über 50 Prozent dagegen, dass in neun Jahren das größte Wintersportfest der Welt vor ihrer Haustür gefeiert wird.

Im reichen, erfolgsverwöhnten, aus allen Nähten platzenden München ließe sich das einfach begründen: Den Leuten geht’s einfach zu gut! Deshalb wollen sie kein neues Großprojekt mehr in der Stadt. Nein zur 2. Stammstrecke, Nein zur 3. Startbahn, Nein zu Olympia. Wo Skepsis und Missmut überwiegen, sind die besten Argumente chancenlos: Etwa, dass eine Metropole nicht nur Lorbeeren braucht, auf denen man sich ausruhen kann. Sondern auch Visionen, Träume und Ziele jenseits eines Straßentunnels unter dem Mittleren Ring.

Doch das Nein um des Neinsagens Willens ist offenbar kein Münchner Phänomen. Und das ist die wahre Sensation dieses Bürgerentscheids: Auch in den eigentlich wintersport-verrückten Partnerorten wird die Mission Olympia offenbar einfach als eine Nummer zu groß erachtet. Weltcups und Weltmeisterschaften ja, Olympia nein. Selbst Garmisch-Partenkirchen, das bei der Bewerbung für 2018 trotz bürgerkriegsähnlicher Szenarien mit 58 Prozent noch dafür war, fiel jetzt beim Wahlvolk durch. Ein Nein auch aus Traunstein mit der Biathlon-Hochburg Ruhpolding, ein Nein auch aus der Ecke mit dem Königssee und seiner modernsten Kunsteisbahn der Welt.

Die Befürworter der Spiele haben es nicht geschafft, für die Bewerbung eine Zustimmung zu finden. Und das, obwohl sie ökologisch vorbildlich war und sich ökonomisch völlig im vertretbaren Rahmen für Großereignisse dieser Dimension bewegte. Vielleicht haben gestern sogar Menschen gegen 2022 gestimmt, die im Februar vorm Fernseher mit deutschen Olympia-Helden bei den Retorten-Spielen in Sotschi jubeln. Soll dieses geldgeile Regime des IOC woanders sein Unwesen treiben, aber nicht bei uns. Schneller, höher, Endstation.

Und dennoch: Die bayerischen Spiele hätten als Wagnis begonnen und mit ziemlicher Sicherheit als Wintertraum geendet. So wie das Fußball-Sommermärchen 2006. Der Traum ist aus, ehe er begann. Ja dann lass’ ma’s bleiben!

Stefan Dorner

Olympia 2022: Bilder aus dem Münchner Kreisverwaltungsreferat

Olympia 2022: Bilder aus dem Münchner Kreisverwaltungsreferat

auch interessant

Meistgelesen

Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare