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Doch noch Corona-Absage fürs Oktoberfest 2022? Stadt sorgt bereits vor – „Haben uns beraten lassen“

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Von: Nadja Hoffmann

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Der Aufbau fürs Oktoberfest läuft, während die Pandemie uns eine Welle mitten im Sommer bringt. Wird die Wiesn kurzfristig abgesagt? Die Stadt wäre darauf vorbereitet.

München - Sie steigt und steigt: Die Zahl der neuen Corona-Fälle! Am Mittwoch hat die Inzidenz mit einem Wert von 598,4 einen neuen Höchststand erreicht. Immer mehr Menschen erkranken in der Stadt – während in ihrem Herzen der Aufbau des Oktoberfests in vollem Gange ist. Die Frage ist angesichts der aktuellen Pandemie-Entwicklung: Werden in den Festzelten heuer Leute feiern dürfen?

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist hinsichtlich der Wiesn besorgt – er spricht am Montagabend laut dem Bayerischen Rundfunk von „niederschmetternden Zahlen“ und der Hoffnung, dass man das Thema Oktoberfest „nicht noch kurzfristig diskutieren“ müsse.

Oktoberfest 2022: München sorgt im Fall von Corona-Absage vor

Kann das Oktoberfest in München in diesem Jahr wieder wie im Jahr 2019 (Foto) stattfinden? Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält die Planung für die Wiesn zu gewagt.
Wiesnbesucher feiern auf dem Oktoberfest 2019 in einem Festzelt. © Sven Hoppe/dpa

Für den Fall der Fälle, die Absage der Wiesn, hat die Stadt vorgesorgt: Anders als in früheren Jahren gibt es heuer nicht einen, sondern zwei Verträge mit den Wirten und Brauereien. Bislang liegt ihnen nur die Genehmigung für den Zelt-Aufbau vor, der Vertrag für deren Inbetriebnahme wird erst abgeschlossen, wenn feststeht, dass das Oktoberfest auch wirklich stattfinden kann. „Wir haben uns juristisch beraten lassen“, erklärt Clemens Baumgärtner (CSU). Und damit die Hausaufgaben gemacht, die der Stadtrat dem Wirtschaftsreferat aufgegeben hat: Ein Ausfall der Wiesn dürfe nicht zulasten der Steuerzahler gehen. Für Aufregung sorgt zudem der Bierpreis fürs Oktoberfest 2022.

Ein Szenario, das für Baumgärtner ohnehin weit weg scheint: „Ich war und bin sicher, dass wir eine Wiesn haben werden.“ Auch angesichts der grassierenden Corona-Infektionen? Baumgärtner betont, er nehme die Zahlen ernst – aber man müsse sie differenziert sehen. Das findet auch Wirtesprecher Peter Inselkammer: Beide verweisen auf die Situation in den Krankenhäusern – diese sei ausschlaggebend. Ein Argument, das man in diesen Tagen oft hört.

Video: So laufen die Vorbereitungen fürs Oktoberfest 2022 in München

Aktuelle Zahlen beunruhigend - findet die Wiesn 2022 statt?

Was sagen die Zahlen? Für die vergangenen sieben Tage meldet das Landesamt für Gesundheit 860 neue hospitalisierte Fälle in Bayern (Vorjahr: 43 Fälle). Bei der Belegung der Krankenhaus-Betten mit Corona-Patienten (2030) gibt es Plus von 17,7 Prozent, bei den aktuell benötigten Intensivbetten (147) ein Plus von 15,7 Prozent.

Vor genau einem Jahr lag die am 29. Juni vom Robert-Koch-Institiut (RKI) für München gemeldete Inzidenz bei 10,6. An dem Tag damals gab es 34 neue Fälle – gestern waren es 1959.

Lauterbach stellt Oktoberfest schon seit Mai infrage

Angesichts der Corona-Entwicklung und möglicher Varianten hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Münchens Pläne, das Oktoberfest ohne Beschränkungen stattfinden zu lassen, schon im Mai infrage gestellt. Für Dr. Christoph Spinner, Pandemiebeauftragter am Universitätsklinikum rechts der Isar, war der Anstieg der Zahlen „zu erwarten, spätestens im Herbst“. Dem Experten zufolge ist jetzt weniger die Beobachtung von Inzidenzen wichtig, denn der Schutz von Risikogruppen. „Der Erkrankungsprävention kommt eine wichtige Bedeutung zu.“

Professor Matthias Klein, der Leiter der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Großhadern, sagt zur aktuellen Situation: „Besorgniserregend sind in meinen Augen vor allem die hohen Ausfallquoten beim medizinischen Personal, die zu Engpässen in der Patientenversorgung führen.“ Der Schutz der Menschen vor Corona – die Wiesn steht für das Gegenteil. (nah)

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