Altbewährtes auf dem Oktoberfest

Wiesn-Endspurt: Hier ist das Volksfest noch wirklich urig

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Willkommen auf der Oidn Wiesn: Jürgen Kirner spielt im Festzelt „Schöne Münchnerin“ auf.

Die Wiesn geht mit der Zeit - deshalb gibt es auf dem größten Volksfest der Welt immer wieder viel Neues zu entdecken. Doch einiges behält seinen altbewährten Zustand bei.

München - Die übliche Distanz von 16 Tagen haben wir geschafft. Aber heuer gibt es Dank des morgigen Feiertages noch zwei zusätzliche Wiesntage obendrauf. Das Oktoberfest war, ähnlich wie im vergangenen Jahr, ohnehin gemütlicher als häufig zuvor. Nach diesem Wochenende wird’s aber noch mal uriger und entspannter. Die meisten Touristen sind wieder daheim und haben damit die Theresienwiese wieder den Einheimischen überlassen. Der Wiesn-Endspurt ist also für Sie reserviert, liebe Münchnerinnen und Münchner! Auf diesen Seiten haben wir einige Orte zusammengetragen, an denen die Wiesn noch münchnerisch ist. Wo gibt’s das traditionelle Wiesnbier, wo die besten Bratwürste und Fischsemmeln – und wo hat sich das Oktoberfest noch seine ursprüngliche Seite bewahrt? Legen wir los.

Auf geht’s beim Schichtl

Er ist Wirt, Humanist und Humorist, wie er selber sagt. Manfred Schauer ist mit seinem Schichtl eine lebende Legende auf dem Oktoberfest. Zum 33. Mal hat er heuer seine Guillotine aufgebaut. Im Theater bietet er seinen Gästen zusammen mit Henker Ringo – dem Star des Schichtl – eine lustig-gruselige Show. Höhepunkt: die Enthauptung einer lebenden Person. Aber keine Angst – bis jetzt kam noch jeder mit dem Schrecken davon. In seinem dazugehörigen Wirtshaus begrüßt Schauer täglich Hunderte Gäste. Er sagt: „Ich bediene sie leidenschaftlich gern.“ Nur: „Wenn ich sie aber auf der Straße nicht erkenne, dürfen Sie mir bitte nicht böse sein. Ich kann mir leider nicht jedes Gesicht merken.“

Fisch Hellberg

Nein, nicht die Betreiber sind das Münchnerische an Hellbergs Fischbude – sondern die Gäste. Strategisch günstig liegt sie nämlich direkt an Augusti-nerzelt und der Bräurosl, den Anziehungspunkten vieler Münchner und Traditionalisten. Und wer nach Zeltschluss noch Hunger hat, der kommt an Cornelia Hellbergs köstlicher Backfischsemmel nicht vorbei. Klar, Fischsemmeln bieten viele Budenbetreiber an. Aber backen die auch ihre selbst gemachten Semmeln frisch auf, überziehen den frischen Nordseefisch mit würzigem Bierteig und verfeinern den deftigen Gaumenschmaus mit Remouladensauce? Wohl kaum. Cornelia Hellberg stammt übrigens aus Franken, ihr Mann kommt aus Gräfelfing. Seit 2004 bieten sie ihre Fischspezialitäten auf der Wiesn an. Kabarettistin Monika Gruber kommt regelmäßig vorbei – und auch Spitzenkoch Alfons Schuhbeck schwärmt von Hellbergs Backfisch.

Cornelia Hellberg mit einer Fischsemmel.

Die Reiseconditorei

Kurz hinter dem Eingang der Oidn Wiesn ist Pascal Raviols (47) Reich. Bei seiner Reiseconditorei von 1949 gibt es klassischen Kaffee (3 Euro), Crepes mit selbstgemachter Marmelade oder Lebkuchenherzen (ab 2 Euro). „Schnickschnack wie Cappuccino brauchen wir hier nicht“, sagt Raviol und lacht. Hinter dem Ausschank bieten Tische und Bänke Platz für rund 150 Leute. Ein Mini-Biergarten. „Das soll eine Oase sein, wir wollen zeigen, dass die Wiesn keine Abzocke ist.“ Weiteres Zuckerl: Die Besucher können heuer erstmals einen Blick in den alten Wohnwagen von 1969 werfen, in dem Raviol lebt.

Münchner Tische im Hofbräuzelt

In den vergangenen Jahren ist es vor allem für Einheimische immer schwieriger geworden, einen freien Platz in einem Bierzelt zu bekommen. Abhilfe sollen die Münchner Tische schaffen, die von den Wiesnwirten extra freigehalten werden. Michi W. (25, r.) und sein Stief-Papa Holger G. (68) nutzen dieses Angebot gern, wie hier im Hofbräuzelt. Jedes Jahr treffen sich die beiden auf einen gemütlichen Nachmittag. „Am besten unter der Woche“, meint Michi. Denn da sei es weniger voll und es würden sich nette Kontakte und Gespräche ergeben.

Flohzirkus

Flöhe, die Fußball spielen, Kutschen ziehen und Ballett tanzen: Damit wirbt Robert Birk (54). Der langjährige Mitarbeiter übernahm 2008 den Flohzirkus der Familie Mathes. Der stand schon 1948 das erste Mal auf der Wiesn. Birks Standort heuer befindet sich in der Straße zwischen Fischer-Vroni und Ochsenbraterei. Das Geheimnis: „Die Flöhe reagieren auf Licht und Schall“, erklärt Birk. „Dunkelheit ist die Belohnung“. Zusätzliches Angeberwissen: Im Flohzirkus werden nur die Flohdamen eingesetzt, die sind größer und stärker. Wir sparen uns hierzu einen Kommentar…

Robert Birk vom Flohzirkus.

Weißbierkarussell Fahrenschon

Es ist wohl das einzige Fahrgeschäft, bei dem der Drehwurm noch Stunden nach der letzten Runde anhalten kann. Das Weißbierkarussell Fahrenschon ist zwar im hinteren Teil (beim Höllenblitz) gut versteckt, deshalb aber nicht weniger gut besucht als andere bekannte Stände. Das Weißbierkarussell schafft das, was anderen Wirten und Schaustellern nie gelingen wird: Es bietet Fahrspaß UND Bier. Ein Hofbräu-Weißbier kostet 5,50 Euro. Das Karussell bespaßte früher Kinder, bis es die Schaustellerfamilie 2008 zum Weißbierdrehstand umbaute. Vor allem am Abend bei stimmungsvoller Beleuchtung ist das Karussell ein Hingucker – finden auch Marina und Philipp.

Riesenrad

Einmal über der Wiesn schweben: Eine Fahrt mit dem Riesenrad der Familie Willenborg (8 Euro) gehört für viele Münchner zum Oktoberfestbesuch dazu. Seit 1960 ist die Schaustellerfamilie auf Riesenräder spezialisiert. In dem auf dem Oktoberfest gibt es auch zwei rollstuhlgerechte Gondeln.

Das Riesenrad.

Bodos Kaffeezelt

Seit 30 Jahren ist Bodo Müller mit seinem gleichnamigen Kaffeezelt bereits auf der Wiesn vertreten – und deshalb schon längst eine Institution geworden. An einem gemütlichen Nachmittag unter der Woche – speziell jetzt auch an den letzten beiden Tagen – findet man dort bestimmt ein bequemes Plätzchen für frisch gebrühten Kaffee und gschmackige Süßspeisen. Seit mittlerweile 60 Jahren geht Karin Hanrieder regelmäßig aufs Oktoberfest. Mit ihrem Mann Hans schaut sie gerne bei Bodo vorbei. „Das ist ein Pflichtbesuch“, sagt Karin. „Hier muss man nicht um seinen Platz kämpfen“, meint Hans.

Weinzelt-Würschtlstand

„Woid’s a Kraut nei?“ – wie oft er diese Frage schon gestellt hat, weiß Björn Puscha alias „Puschl“ (35) wahrscheinlich selbst nicht. Seit vier Jahren verkauft er Würste gleich beim Weinzelt im Weinzelt-Würschtlstand. Ein Geheimtipp unter vielen Münchnern: die Weißwürste (zwei Stück mit Brezn 5,50 Euro) aus der hauseigenen Kuffler-Metzgerei. Die gibt die Familie nach dem Oktoberfest auf, mit dem Wachstum der Gruppe wäre sonst ein weiterer Ausbau nötig gewesen (tz ­berichtete). Aber auch in den nächsten Jahren ist für Wurst-Nachschub bei Puschl gesorgt: Die Käsegriller eines Zulieferers gehen heuer zum Beispiel schon sehr gut. Der ein oder andere Gast dürfte Puschl auch aus dem Fernsehen kennen: Er ist der Lateinübersetzer im Vereinsheim Schwabing im BR.

Björn Puscha vom Kuffler Weinzelt.

Schönheitskönigin (Oide Wiesn)

Er bringt Volkssänger-Kultur auf die Wiesn: Jürgen Kirner, Frontmann der Couplet-AG und bekannt von den Brettl-Spitzen im Bayerischen Fernsehen. Kirner hat die künstlerische Leitung im neuen Schönheitskönigin-Zelt auf der Oidn Wiesn inne. Auf die Bühne holt er gestandene Volkssänger, aber auch junge Talente. Am Feiertag treten ab 16 Uhr Überraschungsgäste aus den Brettl-Spitzen auf. Und wer einen gscheiden Hunger mitbringt, sollte die Fischsuppe (12,90 Euro) im Zelt probieren. Richtig guad!

Café Schiebl

Es ist das kleinste Zelt der sogenannten kleinen Wiesnwirte – und vielleicht gerade deshalb ein echter Geheimtipp. Seit 1979 steht Angie Schiebl (57) in dem Stand zwischen Armbrustschützenzelt und Hofbräuzelt. Die Schiebls verkaufen auf der Straße, laden ihre Gäste aber auch zum Verweilen in ihrer Kaffeestube ein. Bei Schiebl lässt es sich mit einem Frühstück (bis 13 Uhr) ruhig in den Wiesntag starten. Die Empfehlung der Chefin: „Wir haben den besten Irish Coffee. Mit Whisky, braunem Zucker und Sahne“ (8,90 Euro). Kinder-Angebot: eine Limo (0,2 l) und ein Stück Apfelkücherl (2,80 Euro). Das Café Schiebl ist auch Treffpunkt für Bedienungen und Musiker, die kurz durchschnaufen möchten.

Poschners Hühner- und Entenbraterei

Es ist das Elixier, das die Wiesn funktionieren lässt – das Bier. ­Wissen Sie, welches Bier ursprünglich ausgeschenkt wurde? Falls nicht, besuchen Sie Poschners Hühner- und Entenbraterei! Denn dort gibt es neben den legendär ­reschen Enten auch das traditionelle Märzenbier. Wirt Thomas Luff (34) schenkt das bernsteinfarbene Gebräu aus dem Hause Hacker als einziger Wiesn-Wirt aus. Er sagt: „Wir bei Poschners stehen für Tradition und Qualität. Seit 2010 bieten wir deshalb unseren Gästen wieder das Märzenbier an.“ Laut Luff wird das etwas würzigere Traditionsbier immer beliebter. Die Mass gibt’s für 10,90 Euro.

Thomas Luff von Poschners Hühner- und Entenbraterei.

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J. Heininger, R. Weise

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